„kollekTief“ von der Außenwelt abgeschnitten: Fünf JungschauspielerInnen inszenieren in „Bitte nicht berühren“ ihr Leben in Selbstisolation

  • von

14 Tage, fünf Boxen und fünf Menschen auf der Suche nach Kontakt. Das gewagte Experiment „Bitte nicht berühren“ der Theatergruppe kollekTief ist das Highlight des Theaterfestivals „Hin & Weg“ 2020 im August in Litschau im Waldviertel.

„Wir hatten diesen Sommer für das Festival in Litschau ein Stück geplant, das von sehr viel Nähe lebt“, erzählt Reinhardt-Seminar-Student AntoN Widauer. „Nun mussten wir uns um 180 Grad drehen und zeigen ‚Bitte nicht berühren’, ein Stück, das Nähe negiert und leben in Isolation vorführt“, ergänzt Schauspielerin Alina Schaller, die zuletzt in „Vorstadtweiber“ im ORF zu sehen war. 

Die Situation für die Kunstbranche, wie für viele andere Branchen, sei weit entfernt von normal, findet der 24-jährige Felix Kammerer, der seit 2019 Teil des Burgtheaterensembles ist. Auch Tilmann Tuppy hofft auf Normalität im Herbst, denn er wird im Vestibül der Burg auftreten. Die Fünfte, allein in einer Box mit Glasfront, ist die junge Musikerin Anna Mabo, die als Anna Marboe im Theater vor allem Regie führt. Ihr letztes Konzert war im Februar.

„COVID-19 betrifft alle Menschen gleich. Das Stück zeigt sehr überspitzt das neue Leben und ist ein Versuch, uns der Komplexität des Themas anzunähern“, sagt Alina Schaller. „Wir sind hochaktuell und zeigen die neue Realität ins Extrem getrieben. Eine Realität, die für alle gilt, und für uns, als junge, in unserem Schaffen stark beeinträchtige KünstlerInnen, besonders“, meint AntoN Widauer.

Bitte nicht berühren!

Alle Isolierten sind in eine eigene Box gesperrt. So leben, schlafen, essen und arbeiten die fünf jungen KünstlerInnen in Litschau im Waldviertel. Sie können einander beobachten und rund um die Uhr von Besuchern des Theaterfestivals beobachtet werden.

Das sind zwei Wochen, 336 Stunden, 20.160 Minuten in Isolation! Der Kontakt zur Außenwelt ist abgeschnitten. Nur eine Glasscheibe bietet Einblick in die Lebens- und Schaffens-Räume der Isolierten. Um nicht in der Einsamkeit verloren zu gehen, erzählen sie einander täglich neue Geschichten in Tanz, Gesang, Erzählung und Spiel.

Mittels Mikrofonen im Inneren der Boxen ist es für das Publikum und für die Isolierten möglich zu gewissen Zeiten an Performances auditiv teilzuhaben. Das Publikum ist unter freiem Himmel, die Isolierten in ihren vier Wänden. Und doch sind alle mittendrin. Zuseher werden ebenfalls gebeten einander nicht zu berühren.

Nach zwei Wochen fehlender Nähe und ohne physischen Kontakt endet die Installation. Die Anstrengungen der Isolation münden in einer finalen und gemeinsamen Performance auf der Bühne – und in einer neu gewonnenen Freiheit. Am letzten Tag können die Boxen von Festivalbesuchern erkundet werden.

Unterstützt wird das Projekt von GEA (https://gea-waldviertler.de/) und Procont (http://www.procont.at/).

Mitglieder der IGFT bekommen gegen Vorlage des aktuellen Mitgliedsausweises an der Tageskassa im Strandbad Litschau -30% Ermäßigung auf die Veranstaltungen des HIN & WEG Festivals.