Was hat ein propagandistisches Theaterstück an österreichischen Schulen verloren?

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Diese Offene Anfrage wird nächste Woche an BM Heinz Faßmann und BM Gernot Blümel ergehen.
Wer mit unterzeichnen möchte, bitte bis Freitag 6.7. um 14 h melden:

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An Bundesminister Dr. Heinz Faßmann
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung

An Bundesminister Mag. Gernot Blümel
Bundesministerium für EU, Kunst, Kultur und Medien

Was hat ein propagandistisches Theaterstück an österreichischen Schulen verloren?

Offene Anfrage

Seit Monaten wird das propagandistische Theaterstück „Welt in Bewegung“ an österreichischen Schulen gespielt. Auftraggeberin dieses Stücks ist das Innenministerium, umgesetzt wurde es durch eine Künstleragentur, die Kreativschulungen oder Konzertabende u.ä. mehr anbietet. Autor des Stücks ist der Agenturleiter. Inhalt des Stücks ist die Darstellung der Situation eines legalen sowie eines illegalen Flüchtlings. Der legale (weiße) Flüchtling hat einem österreichischen Reporter an einem Kriegsschauplatz Erste Hilfe geleistet und soll vermutlich deshalb als legal angesehen werden, der illegale (schwarze) Flüchtling wird geschleppt und kommt aus wirtschaftlichen Gründen. Der legale Flüchtling wird später in Österreich ein berühmter Maler, der illegale Flüchtling gerät in die Fänge des IS und wird mit allen anderen um ihn herum, die mit ihm in den Dunstkreis des IS geraten sind, verhaftet. Es ist aber auch ein anderes, gutes Ende in diesem Stück möglich, der illegale Flüchtling geht zurück und wird bei sich zu Hause erfolgreicher Unternehmer.

Soweit die Geschichte. In der Inszenierung geht dieses Stück noch viel weiter. Der Autor und zugleich Regisseur des Stücks lässt seine Darsteller/innen einen Schwank spielen, in dem kein Klischee, kein Vorurteil und keine Diffamierung ausgelassen wird. So sind die Frauendarstellungen in diesem Stück an Anbiederung und Unterwerfung nicht mehr zu übertreffen und wird der illegale schwarze Flüchtling im Gegensatz zum legalen weißen Flüchtling über weite Strecken als ziemlich schlichtes Gemüt dargestellt. Er darf erst vollwertig werden, wenn klar ist, er geht zurück und wird Unternehmer.

Folgende Fragen stellen sich:

  1. Warum ist es dem Innenministerium möglich, ein von ihm beauftragtes Stück an Schulen anbieten zu lassen?
  2. Wie stimmen die Haltungen in diesem Stück mit den Zielen in den Lehrplänen überein, insbesondere in den Frauendarstellungen und in der Darstellung Afrikas und des afrikanischen Flüchtlings?
  3. Warum wird ein künstlerisch vollkommen wertloses Stück an Schulen angeboten, das aus Qualitätsgründen niemand für öffentliche Aufführungen nehmen würde?
  4. Wieso wird ein solches Projekt nicht in Abstimmung mit den dazu befähigten Einrichtungen mit Theaterschaffenden für ein junges Publikum verwirklicht?
  5. Sind weitere Aufführungen für das kommende Schuljahr geplant?

Die Künstler/innen, Bühnen und Freien Gruppen in Österreich setzen sich mit dem Thema Integration schon seit vielen Jahren eingehend auseinander und haben bereits zahlreiche sehr reflektierte tourfähige Theaterproduktionen hierzu entwickelt. Wir schlagen vor, künftig auf die Arbeiten und Theaterproduktionen dieser erfahrenen Gruppen zurückzugreifen, um Schultheatervorstellungen zu diesem Thema professionell und inhaltlich adäquat zu ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen

Verfasser: Gerhard Ruiss, Geschäftsführer IG Autorinnen Autoren


Dieser Brief mit der vollständigen Liste aller Unterzeichner_innen ergeht in der KW 28 an die eingangs angeführten Adressaten.


Wien, 5. Juli 2018