IGFT fordert realistische Probebedingungen

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Ulrike Kuner schreibt an Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek und Bundesminister Rudolf Anschober: Wenn wir den Künstler*innen nicht erlauben zu arbeiten, können diese ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. ig freie theater

Zum Thema „Proben und Arbeiten“ haben wir uns gestern mit folgendem Schreiben an Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek und Bundesminister Rudolf Anschober gewandt, um für realistische Arbeitsbedingungen für Künstler*innen zu plädieren.

Sehr geehrter Herr Bundesminister Anschober,
sehr geehrte Frau Staatssekretärin Lunacek,

wir wenden uns an Sie, da wir die derzeitige und angekündigte Probensituationen für den darstellenden Bereich als unzureichend erleben und möchten Sie bitten, hier realistische Arbeitsbedingungen zu ermöglichen – wie diese auch für alle anderen Arbeitnehmer*innen in Österreich möglich sind. Daher sind die für den 18.Mai angekündigten 20 m2 pro Mensch schlicht nicht machbar – kein Probenraum ist groß genug, die an einer Produktion beteiligten Personen entsprechend unterzubringen. Die geltende Abstandsregel bietet dagegen große Möglichkeiten, v.a. da die Produktionen im freien Bereich oft von künstlerischen Teams (Darsteller*innen / Regie o. Choreografie / Assistenzen / etc.) nicht mehr als 5 -10 Leute bedeutet, manchmal auch weniger. Und: Unsere Künstler*innen sind jung, wenige sind um die 50, der Großteil der Akteur*innen sind zwischen 25 und 40 Jahre alt.

Unsere Künstler*innen haben sehr oft aufrechte Förderverträge, die sie erfüllen müssen – und wollen. Sie wollen arbeiten. Und sie sind kreativ genug, Probenprozesse und Stückentwicklungen entsprechend der Sicherheitsmaßnahmen für Arbeitsplätze einzuhalten – wie etwa die Abstandsregeln oder/und sonstige Hygienemaßnahmen etc.

Zur Ihrer Information: Probenprozesse in der Freien Szene brauchen in der Regel zwischen 4 und 6 Wochen, die blockweise über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten umgesetzt werden.

Noch wissen wir nicht, wie die Veranstaltungssituation nach dem 30.6.2020 sein wird. Unsere Künstler*innen wollen aber präpariert sein, und sie müssen v.a. die Produktionen für die Herbstsaison vorbereiten.
Wenn wir den Künstler*innen nicht erlauben zu arbeiten, können diese ihren Verpflichtungen nicht nachkommen. Es laufen bedeutende Mehrkosten auf, wenn die Stücke (also Proben) erst zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden können und die Aufführungstermine dadurch wieder weiter nach hinten verschoben werden müssen. Eine Verschiebung bedeutet schlicht deutlich höhere Mehrkosten, die über laufende Förderverträge NICHT gedeckt sind, und gleichzeitig birgt dies auch die Gefahr, dass vereinbarte Gagen und Honorare nicht ausbezahlt werden können, da sich die Leistungserbringung nach hinten verschiebt.
Außerdem haben viele Theater ihre Spieltermine bis inklusive 2021 bereits vergeben. Wenn den Künstler*innen nicht jetzt erlaubt wird zu proben, fallen den Theatern die ersten (oft auch schon längst vereinbarten) Spieltermine aus – da die Produktionen nicht fertig sind -; dafür werden viele Produktionen für einen späteren Zeitpunkt schlicht keinen Spieltermin erhalten.

Wir ersuchen Sie noch einmal dringend, realistische Arbeitssituationen für die Künstler*innen zu ermöglichen. Dies wird für diese Menschen überlebenswichtig, aber auch für die Theater als Institutionen.

Gerade jetzt ist es wichtig, Vertrauen bei den Künstler*innen zu schaffen. Ihnen zu vermitteln, dass an ihre Arbeit geglaubt wird und alles getan wird, auch ihnen – wie allen anderen Arbeitnehmer*innen in Österreich – ihre Arbeitsplätze und Arbeitsmöglichkeiten zu erhalten.
Wir unterstützen Sie hierzu gerne mit konkreten Vorschlägen und realistischen Szenarien. Und wie gesagt: Die Kreativität der Künstler*innen ist auch hierzu förderlich.

Ich freue mich über Nachricht von Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen

Ulrike Kuner