das war URHEBERRECHT am 24.02.2020 mit Wolfgang Renzl

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Wir sehen ein Bild. Eine Karikatur. Ein Auftragswerk von einem Künstler. 800€ wurde dafür bezahlt. Was hat man aber eigentlich erworben?

Darf man dieses Bild herzeigen?

Man darf es auf jeden Fall privat bei sich zu Hause aufhängen. Wenn man allerdings nur das Bild gekauft hat, dann dürfte man es nicht zu einem Vortrag mitbringen und anderen präsentieren. Warum?

Unterscheidung zwischen Werk und geistigem Eigentum
Unterscheidung zwischen Urheberrecht und Verwertungs- bzw. Nutzungsrecht

Über dem Werk schwebt das geistige Eigentum, das bei der/dem Künstler*in liegt. Zusätzlich zu dem Werk müsste man also immer auch die Verwertungsrechte erwerben. (Stichwort: AKM-Gebühren)

Wenn man die Rechte mitgekauft hat? Darf ich es immer zeigen? Wie oft darf ich es zeigen? Über welchen Zeitraum gelten die Verwertungsrechte? Diese Dinge wären vertraglich festzulegen.
Man muss sich also die Frage stellen: Was kriege ich eigentlich, wenn ich ein Werk in Auftrag gebe?

Ich kriege eine Skizze, ein Blatt Papier in die Hand gedrückt. Was darf ich damit machen?

Ich darf es privat bei mir aufhängen. Bei einem Vortrag darf ich es eigentlich nicht zeigen. Weil das geistige Eigentum nicht gekauft wurde. Es wurde das Werk als ein Objekt erworben. Über die weitere Nutzung davon, wurde noch nichts vereinbart. Das sind also zwei verschiedene Dinge.

Ich habe das Werk und darauf aufgedrückt ist das geistige Eigentum. Vertraglich müsste also erwähnt werden: das Nutzungsrecht.

Wenn Werke erst durch den Auftrag entstehen, dann fragt sich, welche Rechte habe ich damit überhaupt.
Allein der Auftrag ein Werk zu schaffen, gibt mir kein Recht für die Aufführung.
Ich muss mir für die Aufführung das geistige Eigentum mit verschaffen. Die Eigentumsrechte hängen nicht am Werk. Ich brauche das Werk die Aufführungsrechte.

Zwei weitere Dinge gilt es zu unterscheiden:

Das Monopol auf das Stück und die Leistung als Interpret.

Beides lässt sich getrennt voneinander verkaufen.

 

Was ist überhaupt ein Urheberrecht?

  • 1 definiert: Das Urheberrecht gilt für eine eigentümliche geistige Schöpfung und jeder, der etwas dazu beiträgt, bekommt Urheberrechte – das sind dann die Miturheber.
    In einen Text eingreifen und kleine Dinge ändern ist aber noch nicht Grund genug für eine Miturheberschaft – hier gilt es, sich den Schaffensprozess genau anzuschauen.
    Zum Beispiel: nur weil man im Kollektiv gearbeitet hat, heißt das nicht, dass automatisch alle Beteiligten die Rechte auf das Werk haben.

Beispiel Musik: Bei einer Band bekommt der Songwriter die Rechte auf das Lied – der Schlagzeuger der ein Drumfill zu dem Song beigesteuert hat, wird keine Rechte darauf bekommen, wenn er nicht auch dezidiert als Songwriter genannt wird.

Warum gibt es das überhaupt?

Urheberrecht ist eine kapitalistische Idee: Der Gesetzgeber, wir als Gesellschaft wollen, dass ein Urheber, die Möglichkeit hat, das zu verwerten, was er geschaffen hat. Es geht darum aus einem kreativen Schaffensprozess Einkommen zu generieren.
Deswegen sind die Rechte für den Schaffenden sogenannte Verwertungsrechte. Es geht darum, dass man daraus Geld zieht. Warum? Weil man will, dass die Künstler die Gesellschaft weiterbringen. (Ein theoretisches Alternativmodell zum Urheberrecht wäre zum Beispiel ein bedingungsloses Grundeinkommen für Kunstschaffende.)

Das System des Urheberrechts schafft Monopole. Es schafft Rechte, die nur einem gehören.

Wirkungsbereich des Urheberrechts

Die Prinzipien, die im Urheberrecht geregelt werden, gelten weltweit. Völkerrechtlich wurde das vereinbart. Andere Staaten müssen das anerkennen.

Wann entsteht das Urheberrecht?

Das Urheberrecht entsteht im Zeitpunkt der Verkörperung des Schaffens. (Wichtig: immer Dokumentieren, am besten schriftlich, wann das Werk entstanden ist.)

Mein Werk, mein Monopol

Es würde uns nichts davon abhalten ein Lied gemeinsam zu singen – wir dürfen Musik doch auch hören – was ist also eine urheberrechtliche Verwertungshandlung?

Es sind nur wenige Dinge wirklich verboten. Zum Beispiel: Wir haben ein Stück, das jemand geschrieben hat. Ich darf es lesen, ich darf es über Radio empfangen. Was darf ich nicht?
Ich darf es nicht vervielfältigen. Ich darf diese Kopien nicht verbreiten. (Bis zum Tod des Autors: Alles ist geschützt bis 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Hier gibt es allerdings abweichende Regelungen in anderen Staaten.)

Was macht der Verlag?

Die klassische Rolle des Verlages ist es, das Werk zu vervielfältigen und unter die Leute zu bringen. Der klassische Verlagsvertrag hat den Nachteil, dass hier Verträge abgeschlossen werden, die über 100 Jahre dauern können, da sie die Werke noch über den Tod des Autors hinaus verlegen wollen.  
Der Verlag hat in der heutigen digitalen Welt oft keine wirkliche Aufgabe mehr. Im Musikbereich hat er sich eigentlich schon lange überholt.

Im Theaterbereich: Wenn wir irgendwo ein Stück aufführen wollen, dann ist der erste Ansprechpartner der Verlag. Man schließt dann einen Aufführungsvertrag ab.

Warum kontaktieren wir die Verlage und nicht die Künstler?

Weil der Verlag das Verwertungsrecht hat. Das Verwertungsrecht wird übertragen. Das Urheberrecht ist nicht übertragbar.

In den USA ist das Urheberrecht auch übertragbar. In Österreich wäre das nicht möglich. Es gibt immer eine Beziehung vom Urheber zu seinem Werk. Man kann das in Österreich nur loswerden indem man zu Gunsten eines Miturhebers auf sein eigenes Urheberrecht verzichtet.

Kann man sein Urheberrecht verkaufen?

Verwertungsrechte kann ich übertragen. Ich kann die Verwertungsrechte von meinem Werk so verkaufen, dass ich nie wieder etwas damit machen kann. Das ist der Regelfall im Bereich des Verlagswesens.

Wie ist das, wenn ein Werk aus verschiedenen Teilen besteht? Choreographie, Musik, Videosequenz usw.

Ist das dann ein Werk, das nur ein Urheberrecht hat oder ist es so, dass auf die Musik ein Recht besteht auf die Videosequenz, auf die Choreographie usw.?
Grundsätzlich bleibt jeder Werkbestandteil separat bestehen. Das Sprachwerk, das Video, das Bühnenbild usw.  – diese Dinge bestehen unabhängig voneinander, jeder der es schafft, erhält das Urheberrecht für sich. Der Veranstalter muss für alle diese Teile die Verwertungsrechte kaufen und das an dem Abend der Aufführung zusammenführen. Das heißt aber nicht, dass das für immer so zusammenbleibt. Es muss definiert werden, für wie viele Aufführungen die Verwertungsrechte gelten oder aber wenn die Künstler das so haben wollen, dann könnte auch vereinbart werden, dass das ganze ein Werk ist.

Urheberrechte entstehen laufend. Wir müssen unterscheiden zwischen geistig und körperlich. Geistig entstehen Urheberrechte, körperlich entstehen Leistungsschutzrechte.

Wo liegt die Grenze zum Beispiel im Falle von Nacherzählungen? Oder was ist mit Zusammenfassungen? Darf ich so etwas veröffentlichen, ohne Verwertungs- oder Bearbeitungsrechte erworben zu haben?
Die dogmatische Antwort ist immer nein.
Eine Nacherzählung ist eine Bearbeitung des Originalwerks. Dafür bräuchte ich eine Zustimmung. Die Bearbeitungsrechte werden von Verwertungsgesellschaften nicht wahrgenommen. Dafür brauche die Zustimmung des Verlages oder vom Originalurheber.

Tipp für Anklage bei Urheberrechtsverletzung:  Sofort eine Unterlassungserklärung abgeben (also man sagt: ich mach das nie wieder) –und damit muss man das doppelte der angemessenen Lizenz zahlen (also doppelt so viel, als hätte man vorhin gefragt.)