Wie finanziert man freie Produktionen: Best Practice mit Zeno Stanek

  • von

Am 17.2.2020 war Zeno Stanek bei uns zu Gast und hat uns aus seinen langjährigen Erfahrungen der Geldakquise berichtet. Der Gründer des Theaterfestivals Hin & Weg in Litschau im Waldviertel hat hierbei das Hauptaugenmerk auf die Beschaffung von Sponsoringmitteln gelegt und die vielfältigen Fragen der ca 30 anwesenden Künstler*innen beantwortet.

Vielen Dank, Zeno, für deine wertvollen Tipps!

Hier eine kurze Zusammenfassung:

Es gibt natürlich auch hier kein all over Rezept, da jedes Projekt anders zu betrachten ist.

Ein Grundsatz ist, wir müssen unser Projekt mit einer Geschichte und vor allem mit Leidenschaft und das oft erzählen

3 Säulen der Finanzierung:

  1. – Förderung
  2. – Sponsoring
  3. – Kartenverkauf

 

  1. Förderungen

Hier gab es neben allgemeinen Tipps insbesondere welche zur Förderlandschaft Niederösterreich:

  • Wichtig ist natürlich ein gutes Konzept und vor allem auch ein transparentes und nachvollziehbares Budget
  • NÖ – auch die unbaren Leistungen müssen im Antrag genannt und beziffert werden. Bei der Abrechnung benötigt man die schriftliche Bestätigung der Sponsor*innen über den Wert der Leistung
  • Förderstellen in NÖ: Gemeinde, Stadt, Land, Bund
  • come on als Institution fördert junge Künstler*innen – Das Programm wendet sich an die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen Niederösterreicher*innen.
  • NÖ ab EURO 85.000.– muss ein Antrag auch vom Landtag genehmigt werden, darunter von der Kulturabteilung
  • Weitere Geldgebende Institutionen: AKM, AK NÖ (zahlt 50% der Schauspieler*innengagen bei Betriebsvorstellungen), literar mechana
  1. Sponsoring:
  • Als erster Schritt kommt die Überlegung: was kann ich bieten, wo ist der Nutzen der potenziellen Sponsor*innen?
  • Eine weitere Frage: wer sind meine Besucher*innen und wie passen sie zu meinen potenziellen Sponsor*innen?
  • Wenn möglich sollte man die Sponsoringpartner persönlich kennen bzw. versuchen, sie durchaus auch über Beziehungen und persönliche Rutschen kennen zu lernen.
  • Thema meines Projektes – in welche Themen passen meine potentiellen Sponsor*innen hinein?
  • Eigene Werbemöglichkeiten überprüfen und zusammenstellen, belegt mit Zahlen: Programm, Plakate, Newsletter, Homepage…
  • wer sind meine Medienpartner*innen und kann ich die Sponsor*innen hier mittransportieren
  • Was braucht das Projekt? Natürlich immer Barmittel aber sicher auch Sachleistungen oder Dienstleistungen
  • Vorauswahl an potenziellen Sponsor*innen selbst treffen

Sachleistungen oder Dienstleistungen

  • Interessant sind natürlich immer wieder verkaufbare Waren, wie zum Beispiel Getränke – aber Achtung Gastronomie eher outsourcen (Zufriedenheit der Gäste und Vereinbarkeit mit den Vereinszielen!)
  • Außerhalb Wiens sind Dienstleistungen besser zu bekommen: z.B.: Bauhof – Material und Personal, Abfallwirtschaft, Wasser, Strom
  • Sachsponsoring: Autos gehen ganz gut, wenn man rechtzeitig dran ist
  • Spielort: Außerhalb Wiens auch durchaus gratis, wenn man rechtzeitig dran ist
  • Der zeitliche Aufwand für die Sponsor*innen: Es muss für die Materialsponsor*innen quasi nebenher machbar sein, deshalb ist eine lange Vorplanung sehr wichtig
  • Auch Unterkünfte sind über Sponsoring möglich, wobei auch hier eine lange Vorplanung einzurechnen ist.
  • Das Gleiche gilt auch für Medienpartner*innen und Medienkooperationen auf Sponsorbasis.

Barmittel

  • Zu unterteilen in regionale Sponsor*innen / im Grätzl, Bezirk, Gemeinde
  • Und in überregionale Sponsor*innen – Banken, Versicherungen, Stromanbieter
  • Bei beiden: wer kann unterstützen, was haben die Sponsor*innen von ihrem Engagement
  • Tipp: auch Konkurrenzsituationen können interessant sein. Beispiel: Die NÖ-Versicherung ist eigentlich alleinig in ganz NÖ vertreten, genau deshalb war Hin & Weg für die Generali sehr interessant, um hier einen Fuß in die Tür zu setzen.

Zeitplan:

  • Zuerst telefonische Kontaktaufnahme, dann das Konzept postalisch oder per E-Mail zuschicken. Dann telefonisch nachfassen – diesen Ablauf dokumentieren
  • Ziel ist immer das persönliche Gespräch mit analogen Unterlagen
  • Unterlagen für die Sponsor*innen: gute Grafik, gute Fotos, persönliche und korrekte Anrede, Gegenwertmöglichkeiten, konkrete Pakete schnüren (Namen für die Pakete finden), Pressestimmen, Besucher*innenkalkulation, Statistiken vorangegangener Projekte – diese Unterlagen verbleiben natürlich bei den potenziellen Sponsor*innen
  • Zeigen, wofür das Geld verwendet wird
  • Tipp: Sponsoring ist bei adäquatem Gegenwert steuerlich für Unternehmen absetzbar
  • Stipendien für Künstler*innen oder andere Beteiligte als Sponsorleistung anbieten
  • Erstellung eines Sponsoringvertrages: Rechte und Pflichten der Vertragsparteien, Leistung und Gegenleistung, Konsequenzen bei Nichterfüllung, Vertragsdauer

Wenn man dann Sponsorpartner*innen hat:

  • Möglichkeiten bieten, um die Sponsor*innen untereinander zu verbinden, Einladung zum Abendessen…
  • für die Sponsor*innen ein Netzwerk erschaffen und eine Plattform des Kennenlernens bieten
  • Die Sponsor*innen muss sich vor Ort sehen und finden: Logos, Give-aways, ev. Tischwimpel
  • Wichtig ist auch die persönliche Betreuung, Begrüßung

Nachhaltigkeit:

  • längere Sponsoringbeziehungen gehen nur über gute Kontaktpflege: Dankesschreiben, persönliche Einladung, Meet the Artist, Einrichten der Vorstellung vor den Sponsor*innen…

 

Kartenverkauf

  • Der Onlineverkauf sollte übersichtlich und einfach gestaltet und am Besten in die eigene Homepage implementiert sein, um die Besucher*innen nicht an eine andere Homepage zu verlieren.
  • Der Kartenverkauf sollte unbedingt auch offline möglich gemacht werden.
  • Für Rückfragen einen persönlichen Kontakt, eine Serviceline anbieten und hier darauf schauen, dass die Besucher*innen freundlich behandelt werden.
  • Der Kartenverkauf geht natürlich geht Hand in Hand mit der Medienarbeit… Und diese ist ein weiteres sehr großes und eigenes Kapitel