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Staying Alive – Meine Rechte als Künstler_in Teil 1: MARKETING und PR

Die aus fünf Infoveranstaltungen bestehende Vortragsreihe Staying Alive – Meine Rechte als Künstler_in ist an freie Kunstschaffende gerichtet und widmet sich wichtigen Themen, mit denen sie sich im Berufsalltag auseinandersetzen müssen: Marketing und PR, Job-Akquise und Mentoring, Arbeitsrecht und Verträge, Steuer und Sozialversicherungen.

Am Montag, den 11.11.2019, fand im Theater Werk X-Petersplatz mit dem Vortrag MARKETING und PR der Auftakt der Veranstaltungsreihe statt. Als Experte war Joachim Kapuy, der Leiter der Marketing &Sponsoring-Abteilung der Wiener Festwochen geladen. Er gab den zahlreichen Besucher_innen Einblicke in seine Arbeit und stand ihnen in puncto Marketing und PR Rede und (in einem anschließenden Q&A) Antwort. In seinem Vortrag gab er wertvolle Tipps für die erfolgreiche Bewerbung eines Projektes und erklärte, welche Zuständigkeiten und Verantwortungen Kulturveranstalter_innen auf der einen und Kunstschaffenden auf der anderen Seite dabei haben. Kapuy, der auch selbst Erfahrungen als Performer und Schauspieler gesammelt und mit verschiedensten großen Institutionen in Wien zusammengearbeitet hat, beleuchtete beide Perspektiven, gemeinsame Interessen, aber auch Konfliktpotenziale, die sich in einer Zusammenarbeit ergeben können.

Für Kunstschaffende stellt sich nach der künstlerischen Phase natürlich die Frage, wie sie ihr fertiges Projekt bewerben können, um Fördergeber_innen, Veranstalter_innen und Publikum zu gewinnen. Joachim Kapuy erklärte, worauf Kulturveranstalter_innen bei der Auswahl von Stücken achten, wie gelungene Pressearbeit aussieht und was man als Künstler_in selbst für den Erfolg des eigenen Stückes machen kann (das gilt besonders für jene Künstler_innen, die selbst als Kulturveranstalter_innen agieren, bzw. selbst für ihr Marketing verantwortlich sind). Wie Kapuy ausführte, spielt die Professionalität einer Künstlerin/eines Künstlers dabei eine wichtige Rolle und ist auch für eine produktive Zusammenarbeit mit Kulturveranstalter_innen essenziell.

Was aber darf man sich unter Professionalität vorstellen?

Professionell zu sein, bedeutet:

  • informiert zu sein: Nach Kapuy ist es als Künstler_in wichtig, das Feld, in dem man sich bewegt, relevante Medien und die wichtigsten Akteur_innen zu kennen, wie etwa Journalist_innen, Veranstalter_innen und Fördergeber_innen.
    Kapuy riet, sich vor der Einreichung eines Projektes über Kulturveranstalter_innen zu informieren und auf deren Webseiten ihre Ausrichtung und Leitbilder, ihre Fördergeber_innen, ihre budgetäre Ausstattung und die von ihnen angebotenen Leistungen für Künstler_innen nachzulesen. Das hilft nicht nur bei der Entscheidung, welche Institution den geeigneten Rahmen für ein Projekt bietet, sondern auch bei der gezielten Bewerbung und Einreichung eines Projektes. Kulturveranstalter_innen bewegen sich in einem äußert kompetitiven Umfeld, wie Kapuy erklärte. Es herrsche ein harter Wettbewerb um Zeit, Besucher_innen und Finanzbudgets. Kulturveranstalter_innen seien deshalb darum bemüht, ihren USP (unique selling point) zu schärfen, zu kommunizieren und ihre Angebote auf Zielgruppen hin zu entwickeln. Bei der Einreichung eines Projektes sei es daher von Vorteil, wenn Künstler_innen ihr Alleinstellungsmerkmal und Hintergründe und Intentionen eines Stückes klar formulieren können. Das heißt: Was hat mein Projekt inhaltlich und formal mit aktuellen Diskursen, Diskussionen, globalen und lokalen Themen zu tun? Was ist für potenzielle Besucher_innen daran interessant? Welches Publikum soll mit meinem Stück angesprochen werden?

  • aktiv die eigenen Interessen zu vertreten: Kommt es zu einer Zusammenarbeit, so Kapuy, haben Künstler_innen und Kulturveranstalter_innen gemeinsame Interessen. Ein Projekt soll mediale Aufmerksamkeit erreichen, erfolgreich sein und ein großes Publikum begeistern. Es kann aber auch zu Interessenskonflikten kommen, denn anders als Künstler_innen konzentrieren sich Veranstalter_innen, wie Kapuy weiß, meist nicht auf einzelne Projekte, sondern auf das große Ganze, sprich: die Höhe der Gesamtauslastung, der Gesamteinnahmen und der Gesamtkosten einer Saison oder eines Festivals. Häufig schenken Veranstalter_innen ihren „Leuchtturmprojekten“ (Programm-Highlights) mehr Aufmerksamkeit als dem breiten Programm, deshalb ist es wichtig, dass Kunstschaffende aktiv ihre eigenen Interessen vertreten. Kapuy rät Künstler_innen, eigene Vorschläge einzubringen und Veranstalter_innen aus ihren starren und oft undemokratischen Strukturen herauszuholen. Es sei wichtig, Veranstalter_innen auf Augenhöhe zu begegnen und sich nicht durch heute amikal gewordene zwischenmenschliche Beziehungen irritieren zu lassen. Professionalität sei notwendig, um in seiner Kunst wahrgenommen zu werden und dazu zähle auch das Einfordern von Rechten und Veranstalter_innen bei Verträgen in die Pflicht zu nehmen.

  • unternehmerisch zu denken: Nicht nur Kulturveranstalter_innen, so Kapuy, tragen für die Bewerbung eines Projektes die Verantwortung. Es sei wichtig, dass auch Künstler_innen aktiv Beziehungen zu ihren Stakeholdern (dem Publikum, Fördergeber_innen, Kolleg_innen, Journalist_innen etc.) gestalten, ihre Zielgruppe und die wichtigsten Marketinginstrumente kennen. Wie Joachim Kapuy aus Erfahrung weiß, machen Theaterbesucher_innen bei der Durchsicht von Programmen und Ankündigungen in Medien ihre Kaufentscheidung von ihnen bekannten Namen, vom Titel, Werbetext, von Pressefotos, Videotrailers und den Credits eines Stückes abhängig. Kapuy verriet seinen Zuhörer_innen die wichtigsten Kriterien, die es hierbei zu beachten gilt: Der Titel eines Stückes sollte so gewählt werden, dass potenzielle Zuseher_innen etwas für sie Wiederkennbares darin finden. Ein Werbetext sollte Emotionen wecken und Lust auf das Stück machen. Pressefotos sollten eine Bild-Aussage haben, die zum Kontext des Stückes passt, Menschen abbilden, Atmosphäre ausstrahlen, Stimmungen und Emotionen einfangen, hochwertig und vor allem dynamisch sein. Zuletzt kam Joachim Kapuy auch auf die Wichtigkeit von Onlinemarketing zu sprechen und klärte das Publikum über verschiedene Varianten auf. Da das Publikum und auch Kulturveranstalter_innen sich immer mehr für die Künstlerin/den Künstler hinter einem Projekt und dessen Entstehungsprozess interessieren, riet Joachim Kapuy, eine eigene Webseite mit biografischen Infos einzurichten, auf sozialen Netzwerken präsent zu sein, Newsletter zu verschicken oder Videotrailer (bestehend aus Stück- und Probeaufnahmen, Artist Interviews oder Behind the Scenes-Aufnahmen) zu veröffentlichen.

Die wichtigsten Informationen zum Vortrag hat Joachim Kapuy für Interessierte in einem Handout zusammengefasst.

Unsere nächste Veranstaltung findet am Montag, den 18.11.2019, von 17.00-19.00 im Off-Theater (Kirchengasse 41, 1070 Wien) statt.

Die Regisseurin und Schauspielerin Elke Hartmann und die Schauspielerin Sophie Resch werden über Job-Akquise und Mentoring sprechen. Gemeinsam werden sie über mögliche Arbeitsfelder diskutieren, zeigen, wie man Ausschreibungstexte analysiert und versteht und Tipps und Tricks für Bewerbungen, Gagenverhandlungen und die analoge wie auch digitale Selbstpräsentation verraten.

Der Eintritt ist frei! Wir freuen uns auf Euer Kommen!

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