Presseaussendung: „Stärkt die Kunst!“ – Umfrage zu Fairness und Politik in Zeiten der Krise

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Die politischen Rahmenbedingungen sind angespannt, die finanziellen Perspektiven für Kunst- und Kulturförderungen in den kommenden Jahren unklar. Für Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen bedeutet das wachsende Unsicherheit – insbesondere in Bezug auf ihre berufliche Zukunft und soziale Absicherung.

Vor dem Hintergrund der strukturellen Fragilität der Freien Szene und ihrer Abhängigkeit von öffentlichen Förderungen hat die IG Freie Theaterarbeit (IGFT) im November/Dezember 2025 eine Umfrage durchgeführt. Sie erhob die Erwartungen von Künstler:innen und Kulturarbeitenden an die Kunst- und Kulturpolitik auf Bundes-, Landes- und Stadtebene – sowie an die Medien.

Die fünf zentralen Forderungen sind:

  • Politische Anerkennung und Schutz
    Die Freie Szene ist unverzichtbar für kulturelle Vielfalt jenseits großer Institutionen.

    • 82,3 % halten ein offizielles politisches Bekenntnis zu einer starken Freien Szene für sehr wichtig.
    • 94,1 % fordern eine differenzierte kulturpolitische Behandlung, die die Menschen hinter Projekten und Institutionen stärker berücksichtigt.
    • 86,8 % erwarten von kulturpolitisch Verantwortlichen eine aktive Verteidigung der Freien Szene gegen politische Angriffe und ideologische Einflussnahme.
  • Verlässliche Förderstrukturen statt Projektprekarität
    Der Erhalt und Ausbau der Förderlandschaft, mehrjährige Modelle und Strukturförderungen zur Abfederung steigender Grundkosten (Miete, Energie, Inflation) sind wichtig. Leider fehlen in der Freien Szene ausreichende Mittel zur Realisierung größerer Produktionen mit größeren Ensembles. Vorgeschlagen wird z.B. eine moderate Umverteilung zugunsten mittelgroßer und kleiner Bühnen und Compagnien sowie die verbindliche Verankerung der Honoraruntergrenzen (HUG) in allen Bundes- und Länderförderungen.

  • Investitionen in Infrastruktur und nachhaltige Nutzung
    Akteur:innen brauchen leistbare und professionell ausgestattete Proben- und Arbeitsräume; darunter die Möglichkeit der einfachen, kostenlosen Zwischennutzung leerstehender Gebäude sowie den Ausbau von Tour-, Residenz- und Wiederaufnahmeförderungen, damit bereits produzierte Werke länger sichtbar bleiben. Kooperation wird als Kernprinzip genannt (Plattformen für Ressourcen wie Bühnenmittel, Kostüme, Lagerflächen).

  • Soziale Absicherung für hybride Erwerbsrealitäten
    Projektarbeit zwischen Anstellung, Selbstständigkeit und Erwerbslosigkeit führt zu Mehrfachversicherungen, Nachzahlungen, versicherungsfreien Zeiten und niedrigen Pensionsansprüchen. Zusätzliche Belastung entsteht durch die Einschränkung geringfügiger Beschäftigungen neben dem AMS-Bezug sowie durch die Kürzungen von Arbeitsstipendien. Als Orientierung werden europäische Modelle genannt (Irland, Frankreich, Deutschland).

  • Evidenz und Sichtbarkeit
    Rund drei Viertel bewerten Studien/Monitoring zur Akzeptanz und Wirkung von Kunst als wichtig für die politische Argumentation. Kritisiert wird eine mangelnde Präsenz der Freien Szene in den Medien, v.a. in den Bundesländern; gewünscht sind Beiträge jenseits klassischer Kritiken – zu Arbeits- und Produktionsbedingungen sowie zur gesellschaftlichen Relevanz.

Verteidigung gegen Rechtsdruck

Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen äußern Unsicherheit angesichts des Rechtsrucks in Europa und der Pläne rechter Parteien, künstlerische Freiheit einzuschränken und Kunst auf ein enges Verständnis – etwa von „Volkskultur“ oder „Hochkultur“ – zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund wird die aktive Verteidigung der Freien Szene und ihrer Akteur:innen durch kulturpolitische Verantwortliche gegen Angriffe aus den Lagern der politischen Ränder als zentrale Aufgabe gesehen. Sowohl die europaweite Entwicklung als auch konkrete Beispiele politischer Einflussnahme auf Kulturstrukturen, etwa parteipolitisch motivierte Besetzungen von Fördergremien, schüren Besorgnis. Erwartet wird eine klare politische Positionierung, die künstlerische Freiheit schützt und die Unabhängigkeit von Kunst und Kultur, insbesondere der Freien Szene, gegenüber parteipolitischen Interessen sichert.

Ulrike Kuner, Geschäftsführung IG Freie Theaterarbeit:

„Es geht nicht darum, den Fokus auf Defizite zu lenken, sondern das Vertrauensverhältnis zwischen Kulturszene, Politik und Medien zu stärken. Es geht um eine gesellschaftlich starke, demokratische Mitte und ein gemeinsames Bekenntnis zur Vielfalt und zur Zeitgenossenschaft. Die Umfrage zeigt eine Szene mit hoher gesellschaftlicher Wirkung, aber struktureller Unsicherheit. Wir fordern politische Anerkennung, Schutz der künstlerischen Freiheit, verlässliche Finanzierung, faire Bezahlung und soziale Absicherung nach europäischen Standards. Denn: Unsere Gesellschaft sind viele. Kunst und Kultur helfen uns, zu verstehen, zu sehen und uns als Teil zu begreifen.“

 

Weitere Informationen

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Die IG Freie Theaterarbeit ist die Interessengemeinschaft für die freie darstellende Szene Österreichs, wurde 1988 gegründet und ist Mitglied im Kulturrat Österreich. Seit 2018 ist sie Gründungsmitglied und Sitz des Europäischen Dachverbands der freien darstellenden Künste (EAIPA) mit derzeit 23 Mitgliedern in 18 Ländern. Die IGFT ist außerdem Mitglied bei IETM – International Network for Contemporary Performing Arts, bei der IG Theater Tanz Performance Kärnten Koroška und bei Culture Action Europe.

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Geschäftsführung: Ulrike Kuner
E-Mail: u.kuner@freietheater.at

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