Wien, 23. März 2026
Die seit 1. Jänner 2026 geltende Neuregelung zum Zuverdienst während des Bezugs von AMS-Leistungen hat massive Auswirkungen auf die freie darstellende Szene. Eine Umfrage im Dezember 2025 sowie viele Beratungsanfragen seit Jänner 2026 an die IG Freie Theaterarbeit (IGFT) zeigen: Für viele Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen ist der geringfügige Zuverdienst essenziell, um ihre Existenz zu sichern und projektbasierte Erwerbsarbeit überhaupt aufrechterhalten zu können.
„Es fühlt sich nach einem Berufsverbot an.“
Zahlreiche Befragte berichten, dass AMS-Leistungen allein nicht ausreichen, um Fixkosten zu decken. Oft stehen monatlich nur rund 900 bis 1.000 Euro zur Verfügung – oder darunter. Der bisher mögliche Zuverdienst war daher zentral, um Zeiten zwischen Engagements zu überbrücken. Die Abschaffung der Zuverdienstmöglichkeit wird mit Einsparungen im Sozialbereich begründet, führt aber im Kunstbereich voraussichtlich zum Gegenteil: Keine Entlastung für den Staat – wenn Künstler:innen etwa auf Mindestsicherung aufstocken müssen; jedoch massive Einkommensverluste und Perspektivlosigkeit für Betroffene. Eine Umfrageteilnehmerin bringt es auf den Punkt: „Es fühlt sich nach einem Berufsverbot an.“
Freie Szene: Keine kollektivvertragliche Abdeckung
Hybride Erwerbsformen in der freien Szene sind weder kollektivvertraglich abgesichert noch sozialversicherungsrechtlich ausreichend berücksichtigt. Und dies in einem Feld, in dem Menschen sehr oft unregelmäßig und wenig verdienen. Die Folge ist große Unsicherheit: Seit Jänner 2026 betrifft rund jede dritte Beratungsanfrage an die IGFT den Zuverdienst. Derzeit führen unklare und widersprüchliche Voraussetzungen dazu, dass Künstler:innen Aufträge während des AMS-Bezugs aus Angst vor Leistungsverlust nicht annehmen.
Auch die bestehenden Ausnahmeregelungen greifen in der Praxis oft nicht. So konnten etwa Personen nach längerer Krankheit keine geringfügige Tätigkeit aufnehmen, weil formale Voraussetzungen knapp verfehlt wurden. Chancen auf Wiedereinstieg und Weiterbildung bleiben dadurch ungenutzt.
Die IGFT fordert daher dringend Nachbesserungen: ein praxistaugliches Zuverdienstmodell für projektbasierte Arbeit sowie ein tragfähiges Versicherungssystem für hybride Erwerbsformen, um den betroffenen Menschen das Arbeiten weiterhin zu ermöglichen.
Zum Umfragebericht: „Absolute Existenznot“ – : Aus für den Zuverdienst neben dem AMS
„Wir sehen eine deutliche Verunsicherung der Künstler:innen und Kulturarbeitenden. Das bislang geltende System, in dem phasenweise im AMS-Bezug und zwischen Engagements mit Einkommen aus geringfügigen Tätigkeiten aufgestockt wurde, ist plötzlich nicht mehr erlaubt. Dies bringt die Menschen in schiere Existenznot – sie wollen arbeiten, sie wollen präsent im Feld bleiben, sie wollen keine weiteren Transferleistungen. Es braucht rasch eine bessere Lösung in diesem wenig abgesicherten Sektor, damit Künstler:innen auch weiterhin eigenständig arbeiten können und die vielen kleinen Engagements und Arbeitsaufträge, die die Vielfalt des künstlerischen Angebots in Österreich ausmachen, erhalten bleiben“.
– Ulrike Kuner, Geschäftsführung IGFT
Weitere Informationen:
Umfragebericht „Fairness und Politik in Zeiten der Krise: Was erwartet ihr?“
Internationale Modelle: Grundeinkommen für Künstler:innen Irland / „Intermittence du Spectacle“ Frankreich / Künstlersozialkasse Deutschland
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Die IG Freie Theaterarbeit ist die Interessengemeinschaft für die freie darstellende Szene Österreichs, wurde 1988 gegründet und ist Mitglied im Kulturrat Österreich. Seit 2018 ist sie Gründungsmitglied und Sitz des Europäischen Dachverbands der freien darstellenden Künste (EAIPA) mit derzeit 23 Mitgliedern in 18 Ländern. Die IGFT ist außerdem Mitglied bei IETM – International Network for Contemporary Performing Arts, bei der IG Theater Tanz Performance Kärnten Koroška und bei Culture Action Europe.
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