Das war das Symposium Freie Szene – Orte schaffen. Räume und Infrastrukturen für Kunst und Kultur in Wien.

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Presseaussendung der IG Freie Theaterarbeit vom 09.09.2020

Das war das Symposium Freie Szene – Orte schaffen. Räume und Infrastrukturen für Kunst und Kultur in Wien.

Unter dem Motto “Freie Szene – Orte schaffen. Räume und Infrastrukturen für Kunst und Kultur in Wien“ fand am 3./4. September 2020 ein international aufgestelltes Symposium in Wien statt.

Auf Initiative der Stadträtin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien Veronica Kaup-Hasler in Kooperation mit den Interessensgemeinschaften IG Kultur Wien, Dachverband der Filmschaffenden, mica – music austria / mitderstadtreden – Initiative der freien Musikszene Wien, IG Bildende Kunst und IG Freie Theaterarbeit wurden an zwei Tagen die Positionen der lokalen Freien Szene erörtert, internationale Best-Practice-Beispiele vorgestellt und Zukunftsszenarien skizziert.

Einig war man sich, dass derzeit in Wien zu wenig Platz, Infrastruktur- und Raumangebot für die freischaffenden Künstler*innen und Kulturinitiativen vorhanden ist. Ähnlich wie in Berlin und anderen europäischen Städten lauten die Forderungen daher, die bestehenden Räume zu schützen und gleichzeitig in Neubauprojekte – v.a. in den von der öffentlichen Hand unterstützten – Räume und Möglichkeiten für eine künstlerische Nutzung grundsätzlich mit einzuplanen.

Nicht nur die Bevölkerung der Stadt Wien wächst, auch die freischaffenden Künstler*innen werden mehr – ein Spiegel der sich erweiterten internationalen Ausbildungssituationen und der veränderten Ansprüche der Künstler*innen und Kulturinitiativen.

Die Anforderungen der einzelnen Genres unterschieden sich dann doch sehr. Während die Bildenden Künstler*innen v.a. leistbare und zugängliche Atelierräume benötigen, formulieren die Musiker*innen der experimentellen Freien Szene den Wunsch nach einem eigenen „Haus für die Musik“, welches als Arbeits- und Aufführungsort dient, entsprechenden akustischen Anforderungen genügt und mit dem zahlreich vorhandenen Publikum lokale, nationale und internationale Vernetzung und Sichtbarkeit fördert.

Die Kolleg*innen von der Filmbranche plädierten für einen größeren, sowohl nationalen wie internationalen Blick und ‚incentives‘, die dazu anregen sollen, kontinuierliche und große Filmproduktionen über Wien zu organisieren. Die internationale Auftragslage – nicht zuletzt aufgrund der Streaming-Dienste – stellt derzeit eine äußerst günstige Ausgangssituation hierfür dar.

Auch die freischaffende darstellende Szene benötigt mehr und besser ausgestattete Proben- und Arbeitsräume, die dem international etablierten Niveau entsprechen. Entsprechend einer Umfrage der IG Freie Theaterarbeit sind rund um die Uhr zugängliche, technisch und räumlich gut ausgestattete Studios gefragt, die eine einfache, flexible und kostengünstige Nutzung durch die Künstler*innen ermöglichen. Am Beispiel des Produktionshauses Campo in Ghent, Belgien wurden Strukturen präsentiert und diskutiert, die den Künstler*innen langfristigen Support ermöglichen. Groß war der Wunsch nach Vernetzungsmöglichkeiten innerhalb der Künstler*innenschaft, nach groß gedachten Infrastrukturen („Proben-/Residencyhaus“) und selbstständig nutzbaren Arbeitsräumen, die auch zum Community-Building der Künstler*innen unabdingbar sind.  

Veronica Kaup-Hasler, Amtsführende Stadträtin für Kunst und Wissenschaft, unterstützt die Anliegen der freischaffenden Künstler*innen und ermutigt ausdrücklich zu größerem Denken. Insofern lieferten die Beispiele des Atelierbeauftragten in Berlin – eine koordinierende Stelle zwischen Politik, Raumanbieter*innen und Künstler*innen – sowie L’Asilo, ein gemeinschaftlich geführtes Kunst -und Kulturzentrum im Herzen Neapels, interessante Erfahrungen und Beispiele.

Das Symposium wurde parallel zum Event live gestreamt und konnte auch im Netz großes Interesse des (Fach)publikums sowie von Vertreter*innen der Parteien und des Bundes erzielen. Eine ausführliche Dokumentation des Symposiums wird in Bälde zur Verfügung stehen, nächste Schritte unter Einbeziehung weiterer Stellen und politischer Ebenen werden folgen. Eine verstärkte Kommunikation über die Kunst- und Kulturpolitik hinaus ist hierfür in allen Bereichen unbedingt erforderlich. Wir werden daher als nächsten Schritt den Dialog mit der Politik auf Stadt- sowie Bundesebene weiter ausbauen.

Mit diesem Symposium hat die Freie Szene in Wien ihre Problemstellen artikuliert, vor allem aber zukünftige Arbeitsweisen und dafür notwendige Infrastrukturen formuliert. Nun gilt es, breitestmöglich an deren Umsetzung zu arbeiten und dem großen Potenzial der Künstler*innenschaft in Wien Rechnung zu tragen.
 

Kontakt für Nachfragen:
IG Freie Theaterarbeit
Geschäftsführung: Ulrike Kuner
E-mail: u.kuner@freietheater.at
01 403 87 94 12