Bundeskongress UTOPIA.NOW

  • von

Als einer der bedeutendsten Theatersäulen Deutschlands lud der Bundesverband der freien darstellenden Künste vom 16.01.-19.01.2020 zum Bundeskongress UTOPIA.JETZT ein. Namhafte PolitikerInnen, unzählige VertreterInnen von Kulturorganisationen sowie zahlreiche KünstlerInnen und Kulturschaffende fanden sich an dem Wochenende in der Spielstätte HAU Hebbel am Ufer in Berlin zusammen. Auch unsere Geschäftsführerin der IG Freie Theaterarbeit und Präsidentin des europäischen Dachverbandes für freie Darstellende Künste, Ulrike Kuner war vor Ort. Bei der Diskussion zum Thema „Wohin geht es mit der Europäischen Kulturpolitik“, unter anderen mit Sabine Verheyen, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung im Europäischen Parlament, übernahm sie die Gesprächsführung. Die zentralen Fragestellungen und Diskussionspunkte betrafen tatsächlich die Freiheit der Kunst, die – nicht nur am Beispiel Ungarn – im letzten Jahr in mehreren Fällen in Bedrängnis geraten ist. Ein zentrales Thema auch auf europäischer Ebene stellt die soziale Absicherung der Künstler*innen dar, und auch Barbara Gessler (head of culture unit der EC / Creative Europe) machte noch einmal explizit auf diesen Fokus aufmerksam. Mit dem Europäischen Dachverband sind wir diesbezüglich mit den Organen der EU und der EC in ständiger Kommunikation und dabei, konkrete Instrumente auszuarbeiten. Beim Panel wurde außerdem besprochen: Erleichterung der Mobilität für Künstler*innen (Visa-Fragen, Ausländer-Abzugssteuer etc.) und vor allem die Informationspolitik der Politiker*innen im EU Parlament und der Verantwortlichen bei der EC. Der dringende Rat an alle: Verbandsarbeit stärken, die nationalen Vertreter*innen im EU Parlament direkt informieren, Informationen mit Zahlen, Daten und Fakten unterlegen. Und in Kommunikation bleiben …

Wie der Name UTOPIA.JETZT vermuten lässt, trafen utopische Ideen, Visionen für die Zukunft und die großen gegenwärtigen Herausforderungen aufeinander und wurden für 4. Tage zum Interesse der Ausverhandlungen.

Anlässlich des 30. Geburtstages des Bundesverbandes bekräftigte die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsministerin Prof. Monika Gütters:
„Eine humane Gesellschaft lebt von Utopien und Demokratie: vom Utopischen, weil darin das Mögliche sichtbar wird; von der Demokratie, weil Kompromissbereitschaft und Verständigung Freiheit und Frieden in Vielfalt garantieren.“
Auch der Berliner Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa Dr. Klaus Lederer betont die besondere Bedeutung und zentrale Rolle der freien Szene und sieht darin ein unermessliches Potential für das gesellschaftliche Zusammenleben und Stärkung der Vielfalt.

Das Programm und die zentralen Themen des Kongresses spiegelten die Zunahme der Aufmerksamkeit und den Gewinn an Stellenwert, den die freie Szene in letzter Zeit zu verbuchen hat, wider. Mehr als 60 Veranstaltungen, etwa 89 ReferentInnen und 600 internationale TeilnehmerInnen trugen zu den brennenden und fruchtbaren Diskussionen rund um die soziale Situation von Kulturschaffenden, Kunstfreiheit europaweit sowie Nachhaltigkeit und Solidarität bei.

Das Thema Machtstrukturen in Kunst und Kultur erwies sich als ein zentraler und erwähnenswerter Schwerpunkt. Wer bestimmt den Produktionsprozess in Projekten und wer entscheidet welche Ideen sich durchsetzen und auf der Bühne umgesetzt und realisiert werden? Derartige Überlegungen zeigen soziale und institutionalisierte Machtstrukturen innerhalb und rund um die Theaterszene auf und lassen neue Denkansätze zur Projektentstehung und Realisierung zu. Alternative Modelle und Konzepte stehen bereits jetzt weit oben auf der Agenda und werden zukünftig sicher noch eine tragende Rolle spielen.