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Newsblog: „Frisch im Beruf“ – FEMALE BURNING ISSUES

17.09.2018: „Frisch im Beruf“ - Was bedeutet es, in der freien Szene tätig zu sein?

 

Mit Julia Kronenberg (IG Freie Theater), Barbara Kraus (Performerin) & Lisa Schwarzenbacher (Technikerin)

 

Zum Einstieg in die Workshopreihe FEMALE BURNING ISSUES stellte Julia Kronenberg den Beratungsservice der IG vor und erzählte von den Anliegen, mit denen junge Künstler_innen zu ihr kommen: Versicherungen, Förderanträge, Vertragsverhältnisse, Künstlersozialversicherungsfond, etc. Anschließend erzählten Performerin Barbara Kraus und Veranstaltungstechnikerin Lisa Schwarzenbacher aus ihrer beruflichen Laufbahn und Tipps zum Einstieg in die freie Szene gegeben. Es ging um Vernetzung, die Überwindung der Kluft zwischen Künstler_innen"träumen" - und Technik und den Kampf für künstlerische Freiräume.

 

Leute & Strukturen kennen

 

„Fühler nach allen Seiten ausstrecken“ / „Unterwegs sein und spionieren“

 

Wie wichtig es in der freien Szene ist, Leute und Strukturen zu kennen, machte Barbara Kraus im Laufe des Abends immer wieder deutlich. Doch was, wenn man als Künstler_in nicht permanent damit beschäftigt sein will, sich selbst zu vermarkten? Barbara Kraus gesteht selbst ein, dass sie diesen Part des Künstler_innen-Daseins immer gehasst hat. Aus ihren Erzählungen geht hervor: um kontinuierlichen Austausch und Kontakteknüpfen mit anderen in der Szene tätigen Menschen kommt man nicht herum, trotzdem lässt ein solches Vernetzen sich auch anders und individueller gestalten als der Begriff „Selbstvermarktung“ suggeriert.

 

Ihr Tipp: Schaut euch viele Sachen an, geht zu Trainings oder Workshops, und: Es lohnt sich, die Fühler nach allen Seiten auszustrecken, statt nur auf ein Hauptinteresse fokussiert zu sein, denn alle Erfahrungen können sich als nützlich erweisen. (Oder, um es mit Lisa Schwarzenbachers Worten zu sagen: „Unterwegs sein und spionieren“.) Neuankömmlingen in der Wiener Freien Szene empfiehlt Barbara Kraus das niederschwellige Format Raw Matters im Schikaneder Kino. (Alle Menschen, die eine Idee haben, können sich dafür anmelden, Proberäume nutzen und ihre noch im Prozess befindliche Arbeit in einem Rahmen präsentieren, der wertschätzendes Feedback ermöglichen soll.)

 

Der Austausch mit anderen hilft schließlich auch, das hochbürokratisierte Fördersystem zu durchblicken, Wissen über Einreichmöglichkeiten zu erlangen und aus den Erfahrungen anderer mit Projektanträgen und Kalkulationen zu lernen. In diesem Zusammenhang weist Barbara Kraus auch auf die IG Freie Theater, wo regelmäßig Infoveranstaltungen stattfinden und persönliche Beratungsgespräche vereinbart werden können, sowie auf die Wiener Perspektive, die in Kooperation mit der IG für bessere Arbeitsbedingungen in der freien Szene kämpft, hin.

 

Wie Bürokratie & Fördersysteme künstlerisches Arbeiten beeinflussen

 

Bürokratie und der Umgang mit Fördersystemen beschäftigen auch die Teilnehmerinnen, und so sind diese dann noch weiter Thema, als Barbara Kraus von ihren Erfahrungen in der freien Szene im Wien der 90er-Jahre bis heute erzählt. Denn die Tendenz von (Mehr-)Jahresförderungen (die an Künstler_innen, die sich noch keinen Namen gemacht haben, ohnehin nicht vergeben werden) hin zu Projektförderungen bedingt und verändert auch das künstlerische Arbeiten. Die Voraussetzungen, um Förderungen zu bekommen und die Notwendigkeit, Arbeiten in Projektanträgen im Vorhinein zu definieren und zu Ende zu denken, geben nämlich einen ganz bestimmten Rahmen vor, in dem Kunst stattfinden kann. Hier gibt Barbara Kraus ein Plädoyer dafür ab, für den Freiraum von Kunst zu kämpfen und sich darauf einzulassen, wenn Projekte sich in ihrem Verlauf verändern (wichtig sei die Kommunikation von Änderungen mit der Förderstelle!).

 

Künstler*innentraum & Technik

 

Frauen in der Veranstaltungstechnik

 

Auch Lisa Schwarzenbacher hat in ihrem Beruf mit Einschränkungen durch gesetzliche Vorgaben zu tun, denn das Wiener Veranstaltungsstättengesetz sei besonders streng. Als Lichttechnikerin, die eher durch Zufall in diesem Beruf gelandet ist, nachdem sie ursprünglich Bühnen- und Kostümbildnerin werden wollte, muss sie außerdem immer wieder zwischen künstlerischen Ideen und den realen technischen Möglichkeiten vermitteln. An dieser Stelle appelliert sie an die Teilnehmerinnen des Workshops, die alle von der künstlerischen Seite kommen, sich auch mit der Technik auseinanderzusetzen, um ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich Licht künstlerisch einsetzen lasse und um die Kommunikation mit den Technikern und Technikerinnen zu verbessern. Dass es von letzteren sehr wenige gebe, schreibt Lisa Schwarzenbacher einer fehlenden Ausbildungsstätte für Veranstaltungstechnik zu. Sie selbst hat als Aufbauhelferin angefangen und sich das technische Knowhow selbst angeeignet. Inzwischen ist sie oft an Projektleitungen von Großveranstaltungen beteiligt, kämpft sich aber immer wieder Zeit frei, um an künstlerischen Produktionen mitzuwirken, obwohl diese schlechter bezahlt werden. Ihr Arbeitsalltag bedeutet viel Unterwegs-Sein, unregelmäßige Arbeitszeiten und mitunter auch einmal 30 Stunden Durcharbeiten auf Festivals - ohne fließendes Wasser, doch das hat sie ihre Berufswahl nie infrage stellen lassen.

 

Auch Barbara Kraus betont, dass man sich vom Künstler*innen-Dasein keine romantischen Vorstellungen machen dürfe: Sie habe oft ihre ganze Zeit und Energie in ihre Projekte gesteckt - Familie wäre sich für sie neben ihrer Tätigkeit als Performerin nicht ausgegangen, das sei für sie aber auch nie ein Thema gewesen. Alle, die die Vereinbarkeit von einer Tätigkeit in der freien Szene und Elternschaft sehr wohl beschäftigt, sind herzlich eingeladen, zum dritten Abend unserer Workshopreihe zum Thema „Kind und Beruf“ (und natürlich auch allen anderen Terminen) in die IG Freie Theater zu kommen.

 

 

 

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