JAHRESRÜCKBLICK IG FREIE THEATERARBEIT 2019

Wir freuen uns, Ihnen/Euch mit diesem Jahresrückblick die wichtigsten Ereignisse 2019 zu rekapitulieren und einen kleinen Ausblick auf 2020 geben zu können.

POLITIK
2019 hat uns tatsächlich viel Neues – und endlich auch Besseres – gebracht. In Wien hat die Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler mehr Budget für die Kunst und Kultur erwirkt. Die Erhöhungen der Mittel für die Freie Szene in Wien sind aber auch das Resultat langjähriger Forderungen der Grünen in Wien. Davon profitieren die freischaffenden darstellenden Künstlerinnen und Künstler.

Endlich wird ab 2020 eine profession fee min. für geförderte Projekte- sowie 1- und 2-Jahresförderungen eingeführt – eine Forderung, die die IGFT schon lange formuliert hat und die nun Realität wird. Das Symposium „Freie Szene – Freie Kunst“, welches wir am 8./9. April 2019 in Kooperation mit den IGs in Wien und auf Initiative der Kulturstadträtin durchgeführt haben, hat die Notwendigkeit einer solchen Maßnahme verdeutlicht und anhand internationaler Beispiele gezeigt, dass eine Honoraruntergrenze funktionieren kann. Gemeinsam mit der Wiener Perspektive haben wir eine Empfehlung hierzu erarbeitet, die ab dem Einreichtermin 15.2.2020 angewendet werden soll. Wie genau diese HNU in den Kalkulationen angewendet wird, teilen wir gleich zu Beginn 2020 mit. Mehr bald auf freietheater.at
Ein wichtiger Baustein betreffend einer sozialen Absicherung der Künstler_innen ist gelegt!

Auch die Strukturen und Spartenhäuser in Wien erhalten mehr Geld und wollen dies mittelbar und unmittelbar in die Arbeit der Künstler_innen einfließen lassen.

Und als Drittes legt Wien mehr Förderprogramme auf, die weitere Möglichkeiten bieten, künstlerische Projekte an vielen verschiedenen Orten zu realisieren und neue Formate ermöglichen – die Stadtlabore und SHIFT wurden budgetär wesentlich aufgestockt.

Die Bundesländer ziehen aber auch nach. Das Thema einer Honoraruntergrenze und der sozialen Absicherung wird überall diskutiert. Auch mit verschiedenen Ansätzen, aber das Thema ist nun österreichweit am Tisch. Ab Herbst 2020 ist auch geplant, ein partizipatives Pilotprojekt zum Thema ‚Honoraruntergrenze‘ in Kärnten durchzuführen und hier bis Anfang 2021 zu relevanten Ergebnissen zu kommen, die dann – gemeinsam mit den Erfahrungen aus Wien – auch auf andere Bundesländer übertragen werden kann.

Für 2020 haben wir übrigens auch wieder eine Bundesländertour geplant, deren wichtigste Themen genau diese sein sollen: Honoraruntergrenzen, deren praktische Umsetzungen, Erfahrungen damit. Termine folgen bald …

Zahlen / Daten / Fakten 2019
Unsere IG Freie Theater wurde 2019 erwachsene 31 Jahre alt.  

  • Wir haben in den letzten beiden Jahren mehr als 25 % neue Mitglieder bekommen. Wir halten aktuell bei ca. 1.600 Mitglieder – und davon sind 74 % Frauen. Das ist ein Auftrag, den wir in unserer täglichen Arbeit immer berücksichtigen und den wir in allen kulturpolitischen Verhandlungen anführen.
  • Wir haben 1.610 Beratungen durchgeführt:
    1.174 davon nahmen Frauen wahr, 436 Männer.
    In 310 Einzelgesprächen, mit 585 Teilnehmer_innen an Info-Veranstaltungen, bei 345 ausführlichen telefonischen Beratungen und in 370 detaillierten Email-Korrespondenzen haben wir Eure Fragen beantwortet und gemeinsam Lösungen gesucht.

  • Und wir haben 2019 31 Info-Veranstaltungen und eine wichtige Info-Kampagne „Staying Alive“ organisiert.

Seit Sommer 2019 gibt es für unsere Mitglieder auch Musterverträge: Aufführungsvertrag, Koproduktionsvertrag, Kooperationsvertrag, Stückvertrag, Bühnenarbeitsvertrag, Gastvertrag, Freier Dienstvertrag, Werkvertrag, Volontariatsvertrag, Ensemblevertrag – und wenn rechtliche Fragen auftauchten konnten wir unseren Vertrauensanwalt kontaktieren, der immer wieder mit Rat und Tat bereitstand – und -steht.

Unser Newsletter erscheint wöchentlich und wir informieren über Aktuelles aus Wien, den Bundesländern, über internationale Entwicklungen und alles Interessante aus und für die Szene. Alles dann auch nachzulesen auf freietheater.at.

Wir haben außerdem die zirkusinfo.at-Website übernommen und arbeiten derzeit an einer grundlegenden Überarbeitung der Datensätze. Sobald wir einen konsolidierten Stand haben, kontaktieren wir Veranstalter_innen und Multiplikator_innen international, um über die Zirkus-und Straßentheaterkünstler_innen aus Österreich zu informieren.

Auch mit dem BMEIA sind wir in kontinuierlichem Austausch und sind dabei, Kanäle und Spielmöglichkeiten für Theater- und Tanz-/Performanceproduktionen international zu eröffnen.

2019 wurde auch der Board der IGFT neu gewählt: Mit Inge Gappmaier, Veronika Glatzner, Barbara Herold, Daniela Oberrauch, Martin Ojster, Sara Ostertag (Obfrau), Sabine Reiter und Charlotta Ruth sind nun alle Sparten der Darstellenden Kunst vertreten – und wir haben zwei
Vertreter_innen aus den Bundesländern, mehrere Generationen und sowohl Künstler_innen wie auch Managementwissen im Vorstand versammelt. Eine gute Grundlage für die kommenden Jahre.

IG Net
Die Zahl der Antragsteller_innen um Zuschüsse aus dem IG Netz steigt ständig, was heißt, dass mehr und mehr Organisationen ihre Künstler_innen anstellen. Und endlich haben auch die Bundesländer verstanden, dass das IG Netz hierfür ein wichtiger Baustein ist. Erfreuliche Neuigkeiten: Wien, Vorarlberg, Tirol, die Steiermark und das Burgenland werden (aller Voraussicht nach) künftig mit in den IG-Netz-Topf einzahlen – und damit sollte allen Antragsberechtigten in diesen Bundesländern die maximale Zuschusshöhe von € 200 pro Monat / Mensch garantiert werden können. Eine tolle Entwicklung, und endlich werden die Bundesmittel, die ja seit 1991 bereitstehen, um Mittel aus den Bundesländern verstärkt. Danke!

Europäischer Dachverband der Freien Darstellenden Künste
Stolz sind wir auch, dass wir 2018 den Europäischen Dachverband der Freien Darstellenden Künste gründen konnten und dieser bei uns in Wien seinen Sitz (und seine Präsidentschaft) gefunden hat. Im November dieses Jahres fanden sich die Mitglieder zu einem intensiven und konstruktiven Arbeitsmeeting in Wien zusammen, um über Entwicklungen und Ziele zu diskutieren und sich über die Szene in Wien und Österreich zu informieren. Unsere Mitglieder kommen aus Österreich, Bulgarien, Tschechien, Deutschland, Ungarn, Island, Italien, Rumänien, Slowenien, Spanien, Schweden und der Schweiz. Und für 2020 haben sich bereits die Slowakei, Ukraine, Norwegen und Litauen angekündigt …

Unser junger Europäischer Dachverband hat bereits viel Aufmerksamkeit erregt und wurde zu Konferenzen und Festivals eingeladen (u.a. mehrfach nach Berlin/D, nach Hull/GB und Prag/CZ) und offiziell vorgestellt. Wir haben auch direkt Gehör bei der Europäischen Kommission gefunden und sind Partner im neu formierten ‚European Theatre Meeting‘ – ein regelmäßiges Arbeitstreffen der Theaternetzwerke und der Vertreter_innen der EU Kommission. Wir freuen uns sehr über diese Bandbreite an Aktivitäten und Sichtbarkeit, die nur eins zum Ziel haben kann: Die Freie Szene auch auf europäischer Ebene zu stärken!

Seit Herbst 2019 gibt es auch eine Website, auf der die wichtigsten Informationen zu finden sind: www.eaipa.eu

DANKE!
Wie jedes Jahr möchten wir uns bei unseren Mitgliedern für ihre Beiträge bedanken, die ein wesentlichen Anteil am Budget der IGFT ausmachen. Bedanken möchten wir uns aber auch bei den Fördergeber_innen für die Unterstützung unserer Jahrestätigkeit und für Projektzuschüsse. Mit diesen Geldern gelang und gelingt es, unsere Arbeit für Euch/Sie weiter auszugestalten und zu verbessern.

2019 waren dies:
Das Bundeskanzleramt / Kunstsektion und dort die Abteilungen Musik und Darstellende Kunst, Kulturinitiativen, Europäische und internationale Kulturpolitik, Sonderprojekte;
die Stadt Wien / Abteilung Kunst und Kultur und die
LSG / ÖSTIG – Österreichische Interpretengesellschaft.
Ein Dank erfolgt aber auch an Die Grünen in Wien, speziell an Martin Margulies, der insbesondere die vielbeachtete Kampagne ‚Staying Alive – Meine Rechte als Künstler_in‘ unterstützt und befürwortet hat.

Was erwarten wir aber von 2020?  ‚Produzieren auf Augenhöhe‘ ist etwa ein Schlagwort, das uns immer wieder als Wunsch genannt wird. Wie genau das aussehen soll – darüber sammeln wir derzeit Meinungen und Fakten.

Wir freuen uns auf ein herausforderndes 2020 und arbeiten kontinuierlich daran, noch mehr Akteur_innen zu überzeugen, Mitglied zu werden.

Ulrike Kuner / Geschäftsführung mit Vorstand und Team der IG Freie Theater