STAYING ALIVE – MEINE RECHTE ALS KÜNSTLER_IN TEIL 4: STEUER

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Bereits zum vierten Mal fand am 02.12.2019 im WUK Foyer die Veranstaltungsreihe Staying Alive – Meine Rechte als Künstler_in statt. Im Vortrag zum Thema STEUER lautete die Parole der selbstständigen Steuerberaterin Barbara Müller: „Oje die Steuer! – Alles halb so schlimm! Information hilft…Und ein guter Steuerberater auch!“. Sie gab am vergangenen Montag einen Überblick zu den verschiedenen Steuern, die für Künstler_innen im Angestelltenverhältnis, als selbstständig Tätige oder im Ausland arbeitend anfallen können und verriet den Besucher_innen den ein oder anderen Trick für die Steuererklärung.

Nach dem Einkommensteuergesetz (EStG) sind natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, einkommensteuerpflichtig.

In einem Angestelltenverhältnis spricht man von der Lohnsteuer (LSt). Die LSt wird monatlich von der Arbeitgeberin/dem Arbeitgeber vom Bruttoeinkommen der Dienstnehmer_innen abgezogen und für sie an das Finanzamt (FA) abgeführt. Zusätzliche Einkünfte bis zu 730€ im Jahr sind steuerfrei und müssen dem FA nicht bekannt gegeben werden. Am Jahresende machen die Beschäftigten gemeinsam mit einer Steuerberaterin/einem Steuerberater oder selbstständig über die Plattform FinanzOnline (FON) eine Arbeitnehmerveranlagung (ANV=Steuerausgleich). In das Formular „L1“ bzw. über FON werden die Ausgaben, die sogenannten Werbungskosten eingetragen. Darunter fallen Aus- und Fortbildungskosten, Reisekosten (gilt nicht für Fahrten zwischen Wohnsitz und Arbeitsplatz), EDV-Hardware, Agentenprovisionen, Pendlerpauschale oder Eintrittsgelder für kulturelle Veranstaltungen, die direkt mit einer künstlerischen Tätigkeit in Verbindung stehen (siehe Links „ABC der Werbungskosten“ und „Pendlerrechner“).

Für Künstler_innen, die nur wenige Ausgaben haben, gibt es die Werbungskostenpauschale, die 5% ihres Bruttogehaltes, max. aber 2.628€ beträgt. Im Zuge der ANV wird eine Vorberechnung angestellt, die zeigt, ob unterjährig zu viel oder zu wenig Lohnsteuer abgeführt wurde. An dieser bemisst sich, ob den Dienstnehmer_innen vom FA ein Guthaben zurückbezahlt wird oder ob sie Nachzahlungen leisten müssen. Die ANV kann fünf Jahre rückwirkend abgegeben werden. Der beste Zeitpunkt dafür ist laut Barbara Müller im März, da Arbeitgeber_innen bis zum 28. bzw. 29. Februar Zeit haben, die Lohnzettel ihrer Angestellten an das FA zu übermitteln. Unter bestimmten Voraussetzungen, wenn Arbeitnehmer_innen bereits vom FA veranlagt wurden, wird ihnen eine antragslose ANV per Brief zugesendet. Stimmen sie dieser zu, erhalten sie den vom FA berechneten Gewinn, können aber darüber hinaus noch eine eigene ANV mit all ihren Ausgaben abgeben. Der Bescheid wird dann neu veranlagt, das bereits ausbezahlte Guthaben angerechnet und im günstigsten Fall erhalten sie noch einen zusätzlichen Gewinn ausbezahlt.

Selbstständig Tätige müssen sich mit Beginn ihrer Selbstständigkeit binnen eines Monats bei der SVA und dem Wohnfinanzamt (Formular Verf24) melden, um eine Steuernummer zu erhalten. Sie bezahlen eine Einkommensteuer (ESt) an das Finanzamt, die auf Basis ihres Einkommens (=Einnahmen abzgl. aller Betriebsausgaben) nach einem „Staffeltarif“ berechnet wird (siehe Link „Steuertarif“). Zusätzliche Einnahmen aus einem Angestelltenverhältnis fließen mit den selbstständigen Einkünften zusammen, aus denen eine Gesamteinkommenssteuer errechnet wird. Versteuert wird das sogenannte Welteinkommen, also Einnahmen innerhalb eines Kalenderjahres (=Wirtschaftsjahr) im In- und Ausland. Die Einnahmen, respektive der Gewinn oder der Überschuss, müssen selbst berechnet werden. Dafür gibt es drei Methoden:

  • Die Pauschalisierung ist die einfachste Art und Weise, um einen Gewinn zu ermitteln und empfiehlt sich für Selbstständige, die kaum Ausgaben haben. Der Gewinn bemisst sich aus der Summe der Einnahmen innerhalb eines Wirtschaftsjahres, abzüglich der 12% die bei Künstler_innen als Ersatz für sämtliche Betriebskosten abgezogen werden. Darüber hinaus können noch Pflichtversicherungsbeiträge, Löhne von Mitarbeiter_innen, Vertretungshonorare und Steuerberatungskosten steuerlich geltend gemacht werden.

  • Für die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung sind ausschließlich jene Einnahmen relevant, die innerhalb eines Wirtschaftsjahres tatsächlich eingenommen, d.h. auf ihr Bankkonto überwiesen oder bar ausbezahlt wurden. Entscheidend ist hier nicht das Rechnungsdatum, sondern das Zahlungsdatum, also der Zahlungsfluss. Die Belege müssen sieben Jahre aufbewahrt werden. Gleiches gilt für die Betriebsausgaben. Diese entsprechen den Werbungskosten von Angestellten, allerdings können Selbstständige noch mehr abschreiben lassen als diese. Sie dürfen Kilometergeld für die Fahrt von zuhause bis zu ihrem Tätigkeitsort und bei Firmenautos auch KFZ-Kosten steuerlich geltend machen. Unter Betriebskosten fallen auch Ausgaben für Werbung, Bewirtungsspesen für eine Geschäftsanbahnung oder die Miet- und Betriebskosten ihres Büros (siehe Link „Betriebskosten und nichtabzugsfähige Ausgaben). Barbara Müller empfahl, ein Excel File für die Spesenverteilung anzulegen und dort die Einnahmen und Ausgaben, durchnummeriert oder chronologisch nach Zahlungsdatum und Kategorien (Reisekosten, Arbeitsmaterial etc.) einzutragen. Von dem errechneten Gewinn wird Selbstständigen zudem als „Steuerzuckerl“ ein investitionsbedingter Freibetrag (Gewinnfreibetrag) in der Höhe von 13% abgezogen.

  • Eine Bilanzierung wird nur von größeren Unternehmen gemacht, die mehr als 100.000€ Umsatz im Jahr verzeichnen können .

Hat man im selbstständigen Bereich einen Gewinn von über 11.000€ im Jahr (die ersten 11.000€ sind steuerfrei), dann berechnet das FA sogenannte Einkommensteuervorauszahlungen, die vierteljährlich an das FA übermittelt werden müssen. Diese Vorauszahlungen können per Antrag bis zum 30.09. des laufenden Jahres angepasst werden. Selbstständige, die mithilfe einer Prognoserechnung beweisen können, dass ihr Umsatz nicht mehr als 11.000€ jährlich betragen wird, haben die Möglichkeit diese auf Null herabsetzen zu lassen. Einmal jährlich reichen Selbstständige ihre Einkommensteuererklärung (Formular E1) ein. Die Vorauszahlungen werden dann vom FA angerechnet und gegebenenfalls wird zu viel einbezahltes Geld zurücküberwiesen. Es kann aber auch zu Nachzahlungen kommen. Gegen diese können binnen eines Monates nach dem Erhalt des Bescheides Rechtsmittel ergriffen werden, bzw. haben Selbstständige die Möglichkeit einen Antrag auf Stundung oder Ratenzahlung zu stellen. Das abgeschlossene Jahr dient als Grundlage für die Berechnung des nächsten.

Im betrieblichen Bereich müssen Selbstständige zusätzlich eine Umsatzsteuer (USt), umgangssprachlich auch Mehrwertsteuer (MwSt) genannt, entrichten. Die Bemessungsgrundlage ist der Netto-Verkaufspreis bzw. das Netto-Honorar. Für Künstler_innen gilt der besondere Steuersatz von 13%. Ein Beispiel: Bei einer vereinbarten Nettogage von 100€ müssen sie 13% mehr verrechnen, also 13€ aufschlagen und diese 13€ an das FA abführen. Im unternehmerischen Bereich ist die USt allerdings ein Durchlaufposten und kein Kostenfaktor. Angenommen Produzent A verkauft eine Ware an Händler B um 60€ (=50€ Warenwert + 20% USt), so muss Produzent A 10€ an das FA übermitteln, die Händler B sich wieder vom FA zurückholen kann. Die Abrechnung mit dem FA erfolgt monatlich bzw. quartalsweise (wenn Umsatz < 100.000€). Die Frist für die Zahlung beträgt einen Monat und 15 Tage nach Ablauf des Monats bzw. Quartals. Solange der Umsatz (nicht der Gewinn!) unter 30.000€ pro Jahr liegt (ab 2020 35.000€), fallen Selbstständige in die Kleinunternehmerregelung und haben Anspruch auf Befreiung von der USt-Pflicht. Nicht immer ist diese Befreiung für Selbstständige jedoch günstig. Sind ihre Auftraggeber_innen nicht umsatzsteuerpflichtig (Privatpersonen, Vereine), können Künstler_innen zwar weniger Honorar verlangen und müssen keine USt an das FA abführen, allerdings ist der Vorsteuerabzug bei Ausgaben untersagt. Gerade wenn Unternehmer_innen am Anfang viele Investitionen tätigen, kann es von Vorteil sein, freiwillig in die Umsatzsteuerpflicht zu optieren (Formular U12) und eine UID-Nummer (Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer) zu beantragen. So können Ausgaben abgeschrieben werden und die USt ist bei umsatzsteuerpflichtigen Auftraggeber_innen kein Kostenfaktor. Zu beachten gilt, dass die freiwillige Umsatzsteuerpflicht für fünf volle Kalenderjahre gilt!

Barbara Müller klärte die Besucher_innen auch über den Sonderfall der Doppelbesteuerung auf und wie dieser entgegengewirkt werden kann. Treten in Österreich steuerpflichtige Künstler_innen im Ausland, etwa in Deutschland auf, so ziehen die deutschen Arbeitgeber_innen rechtmäßig eine Quellensteuer von 15% und einen Solidaritätszuschlag von 5.5% von ihrer Gage ab. Damit es nicht zu einer vollen Doppelbesteuerung kommt, denn auch das österreichische FA besteuert das Welteinkommen einer Künstlerin/eines Künstlers, gibt es das sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen (DBAs). Dieses regelt, wie das Inland mit der Auslandsbesteuerung umgeht und kennt dabei zwei Methoden:

Die Anrechnungsmethode (KZ 395+396): Das österreichische FA berechnet auf Grundlage des Welteinkommens und den Einnahmen aus Deutschland die ESt. Die Steuern, die bereits im Ausland abgeführt wurden, werden im Inland bis zu einer gewissen Höhe angerechnet. Häufiger wird jedoch die Befreiungsmethode (KZ 440) angewendet. Künstler_innen können vorbeugend einen Antrag auf Freistellung bzw. Erstattung der Besteuerung im Ausland stellen (Antrag nach §50d deEStG). Die Befreiungsbescheinigung bewirkt, das Künstler_innen vom Steuerabzug in Deutschland ausgenommen werden. Da die Bearbeitungsdauer 2-3 Wochen dauern kann und die Formulare noch vor Erhalt des Honorars genehmigt sein müssen, sollten sie sich so früh wie möglich um diesen Bescheid kümmern. Dem österr. FA müssen sowohl in- als auch ausländische Einkünfte gemeldet werden (Formular E1, Punkt 21 „ausländische Einkünfte“). Auf Basis beider (!) Einkommen wird die Progression (Steuerstufe) ermittelt. Der Steuersatz wird allerdings nur auf das österreichische Einkommen angewendet.

Selbstständig tätige österreichische Künstler_innen sind in Deutschland nicht von der deutschen USt befreit und müssen bis zu mehr als 40% ihrer Gage (15,5% Quellensteuer + 7% USt + 19% für die Überlassung von Rechten) an Steuern im Ausland zahlen. Umsatzsteuerpflichtige Künstler_innen sollten sich daher im Vorfeld informieren, ob ihre ausländischen Auftraggeber_innen eine UID-Nummer haben. So können sie gegebenenfalls eine 0% Rechnung ausstellen.

Zuletzt verriet Barbara Müller den Anwesenden einen Steuertrick, der nur für Künstler_innen gilt: die Gewinnverteilung §37 (9) EStG („Künstlerrücktrag“). Diese besagt, dass die positiven Einkünfte aus künstlerischer Tätigkeit auf das Erklärungsjahr und die beiden Vorjahre verteilt werden können. Haben Künstler_innen zwei Jahre lang nur wenig Einkünfte, erhalten aber im Folgejahr ein sehr großes Honorar, können sie dieses rückwirkend auf die Vorjahre verteilen. Damit erreichen sie für jedes Jahr einen günstigeren Steuersatz und können drei Mal den Steuerfreibetrag von 11.000€ ausnützen.

Weiterführende Links

Künstlerpauschalierung
https://www.bmf.gv.at/steuern/selbststaendige-unternehmer/pauschalierung/pauschalierung.html

Formulare AUT Finanzamt
https://service.bmf.gv.at/service/anwend/formulare/show_mast.asp?Typ=SM&STyp=HaFo

Künstlersozialversicherungsfond
https://www.ksv.at/

Bundeszentralamt für Steuern Bonn

-Erstattungsverfahren nach § 50d Absatz 1 EStG (siehe auch Punkt: Steuerbescheinigung)
https://www.bzst.de/DE/Unternehmen/Kapitalertraege/Kapitalertragsteuerentlastung/Schriftliches_Antragsverfahren/Erstattungsverfahren_50d/erstattungsverfahren_50d_node.html

-Abzugssteuerentlastung durch Freistellung oder Erstattung
https://www.bzst.de/DE/Unternehmen/Abzugsteuern/Abzugsteuerentlastung/abzugsteuerentlastung_node.html#js-toc-entry1

Steuertarif und Steuerabsetzbeträge
https://www.bmf.gv.at/steuern/selbststaendige-unternehmer/einkommensteuer/est-steuertarif.html

FinanzOnline (FON)
https://finanzonline.bmf.gv.at/fon/

https://www.bmf.gv.at/egovernment/fon/FON_Ueberblick.html

ABC der Werbungskosten
https://www.bmf.gv.at/steuern/arbeitnehmer-pensionisten/arbeitnehmerveranlagung/abc-der-werbungskosten.html

Infos zu Betriebskosten und nichtabzugsfähigen Ausgaben
https://www.bmf.gv.at/steuern/selbststaendige-unternehmer/betriebsausgaben/betriebsausgaben-allgemein.html

Pendlerrechner
https://pendlerrechner.bmf.gv.at/pendlerrechner/