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Diskussion: Stadttheater und freie Szene: wie offen kann eine Institution heute sein?

Am 11.12. fand in der Roten Bar im Volkstheater eine Podiumsdiskussion zum Thema Stadttheater und freie Szene statt.

Angesprochen wurden die Positionen von Stadttheatern in Europa und die Offenheit, die solche Institutionen gegenüber der freien Szene haben können und sollen.

Das interessierte Publikum in der Roten Bar bestand zu einem Großteil aus Kulturschaffenden aus der freien Szene, VertreterInnen der etablierten Häuser waren, außer auf dem Podium, kaum anwesend.

Stadträtin Veronica Kaup-Hasler wies in einleitenden Worten auf den notwendigen (auch finanziellen) Innovationsschub der Theater hin.

Die Diskussion am Podium widmete sich ästhetischen und strukturellen Unterschieden, wie sie zwischen den freien darstellenden Künsten und den Stadttheatern vorherrschen - aber auch, welche Formen der Öffnungen wechselseitig möglich sind.

Der Chefdramaturg des Volkstheaters, Roland Koberg, verwies gleich zu Beginn auf die Öffnung des Hauses Richtung Freier Szene, was bestimmte RegisseurInnen und einige Ko-Produktionen betrifft, betonte aber die Wichtigkeit eines fixen Ensembles für ein Stadttheater.

Die designierte Intendantin der Münchner Kammerspiele, Barbara Mundel, erinnerte sich, dass  ihre Vorstellung von Stadttheater nicht immer mit jenen des Publikums übereingestimmt habe und wies auch auf den ständigen Kampf um Legitimation, ausgetragen über Subventionszusagen und -höhen, hin. Sie konstatierte aber gerade für heutige Theater eine oft selbstverständlichen Umgang mit beiden Produktionsweisen - denen einer Freien Szene und Künstler_innenformationen, und denen des Ensembles.

Eine Perspektive von außen brachte Daniel Wetzel von Rimini Protokoll in die Diskussion ein. Seine Projekte, mit denen er in der Zwischenzeit sowohl in Koproduktionshäusern wie auch in Stadttheater spielt, orientieren sich an Inhalten und leiten daraus ihre Form und ihre Produktionsweisen ab. Ausgangspunkt ist aber immer der Inhalt und die Umsetzung des Stückes, so hat Rimini Protokoll z.B. im dem brut wien Wohnzimmer in Wien bespielt.

Kira Kirsch, künstlerische Leiterin des brut Wien, ging im Speziellen auf die Strukturunterschiede zwischen den freien darstellenden Künsten und den Stadttheatern ein und verdeutlichte die bewusste Entscheidung von Kunstschaffenden für eine Arbeit in der freien Szene, da dort andere Arbeitsweisen möglich und gewünscht sind.

Der Chefdramaturg des NTGent, Stefan Bläske, beschrieb die Situation in Belgien und hob die Unterschiede zu Österreich hervor. So wäre es dort leichter möglich, Häuser mit Eigenproduktionen zu füllen. Die Ensemblemitglieder des NTGent seien auch alle in Produktionen des Hauses mit eingebunden, sind aber dennoch parallel in eigenen Projekten außerhalb des Hauses tätig. Die Arbeitsformen - ob engagiert oder frei bei Produktionen engagiert - würden in Belgien wesentlich flexibler gehandhabt, sowohl von Seiten der Häuser wie auch von Seiten der Künstler_innen.

Auf die abschließende Frage des Moderators nach den Utopien für ein zukünftiges (Stadt-) Theater, antwortete Roland Koberg mit dem Wunsch nach gefüllten Räumen.
Stefan Bläske verwies auf die Wichtigkeit in der heutigen Zeit, einen globalen Realismus lokal zu verankern und führte aus, dass ein Theater auch als struktureller Raum mit Workshops und Gastronomie verstanden werden muss. Es muss ein Begegnungsort sein, bei dem sich Besucher_innen und Künstler_innen auf Augenhöhe treffen und neugierig aufeinander werden.

Daniel Wetzel betonte den Abenteuercharakter des Theaters, der auch in Zukunft erhalten bleiben solle und Kira Kirsch hoffte außerdem auf ein breiteres Theaterangebot auch für SchülerInnen, dass nicht nur auf die Hauptwerke konzentriert sei, sondern auch experimentelle Theaterformen und -inhalte bewusst mit vermittelt. 

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