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„Make yourself heard“: Selbstmarketing im Bereich der freien darstellenden Künste – FEMALE BURNING ISSUES

15.10.2018

Mit Jamal Hachem (Affine Records) und Maiko Sakurai Karner (Projektmanagerin, freie bildende und darstellende Künstlerin)

In der vorletzen Ausgabe unserer Workshopreihe FEMALE BURNING ISSUES haben Maiko Sakurai Karner und Jamal Hachem (affine records) uns ihre Tipps zum Thema Selbstvermarktung gegeben. Als roter Faden diente dabei ein von Jamal zusammengestelltes Handout, das hier zum Download zur Verfügung steht.

Die Grundlage guter Selbstvermarktung und Pressearbeit kann, darüber sind sich Maiko und Jamal einig, nur eine zuvor entwickelte, eigene Zielsetzung sein. „Sich einfach einmal selbst als Mission sehen und ein Mission Statement über sich schreiben“, empfiehlt Maiko. Im späteren Arbeitsprozess dienen solche anfangs gesetzten Ziele dann als Maßstab, mit dem man die eigene Situation abgleichen und überdenken kann, also ob man sich in die für einen selbst richtige Richtung entwickelt oder seinen Kurs ändern möchte. Auf einem solchen Fundament lassen sich die eigenen Strategien zur Selbstvermarktung aufbauen, die laut Jamal nicht zu einseitig gestaltet werden, sondern unbedingt aus mehreren Säulen bestehen sollten. Welche das sein können, haben wir im Workshop von Maiko und Jamal erfahren:

Ein absolutes Muss ist der Aufbau eines eigenen, persönlichen Netzwerks, wobei man sich nicht zu sehr auf eigene Kolleg_innen fokussieren, sondern sich um Kontakte mit Menschen aus den verschiedensten Tätigkeitsbereichen bemühen sollte.

Im Bereich der Pressearbeit steht an erster Stelle die Medienbeobachtung: Man sollte sich unbedingt auf dem Laufenden darüber halten, was abseits der eigenen Arbeit noch stattfindet, welche Dynamiken gerade herrschen. Außerdem lernt man so auch die Medien kennen und einzuschätzen, wie man mit wem am besten kommuniziert.

Mit dem Thema Kommunikation kommen wir auch schon wieder auf‘s Netzwerken zurück: Da gehören natürlich Journalist_innen- und Medienkontakte unbedingt dazu, und die Kommunikation mit ihnen ist nicht immer einfach. Maikos Tipps dazu lauten: am Anfang grobe Info-Mails an alle schicken, daraufhin jedoch an einzelne Journalist_innen persönliche E-Mails richten oder nachtelefonieren. Es hilft auch, beispielsweise im Rahmen von Premierenfeiern und bei einem Glas Wein, persönliche Beziehungen aufzubauen. Hat man einzelne Journalist_innen einmal für die eigene Arbeit interessiert, rät Maiko dazu, sie in den Arbeitsprozess einzubinden, indem man sie zu Proben und Gesprächen einlädt und ihnen regelmäßig Informationen zukommen lässt. Ein wichtiges Tool bei der Pressearbeit ist ein Presseverteiler, den man über die Jahre nach und nach mit Kontaktdaten füllt (und regelmäßig aktualisieren sollte, denn die Fluktuation ist hoch!). Wenn man einmal weiß, wen man über seine Arbeit informieren will, stellt sich schließlich die Frage nach dem Schreiben von Pressetexten – diese sollte immer dem jeweiligen Format oder Kontext angepasst sein, in dem die Arbeit präsentiert wird. D.h. auf der eigenen Website dürfen Inhalte ruhig ausführlich dargestellt werden, in Presseaussendungen sollte man sich jedoch kürzer halten und erst recht bei Social Media Posts. Um dem Problem zu entgegnen, komplexe Inhalte in Zweizeiler packen zu müssen, rät Jamal, sich nicht zu sehr an Regeln zu halten und lieber zu experimentieren, um eine eigene Sprache und Methode zu finden. Wenn es darum geht, bei einem Medium Interesse für die eigene Arbeit zu generieren, hängt zwar viel ganz einfach vom Thema ab, man sollte sich aber doch Gedanken darüber machen, welche Aufbereitung Sinn macht: Welche Schwerpunkte will ich setzen, was hebe ich hervor, was ist eher nebensächlich?

Zum Thema Social Media hält Jamal als Erstes fest: Nicht jedes Netzwerk ist für einen selbst das richtige - und man muss sie nicht alle bespielen. Er selbst nutzt beispielsweise Instagram nicht, weil ihm das Format nicht liege. Maiko hingegen verwendet Twitter wegen seiner geringen Reichweite in Österreich nicht. Facebook nutze sie zum Teilen von Events und Posts kurz vor Premieren, ihr Fokus liege aber auf Instagram. Posts vorzuschreiben und ihr Erscheinen zu programmieren, kann die Arbeit erleichtern, aber auch einen Nachteil darstellen, denn generell wird erwartet, dass man auf tagesaktuelle Themen reagiert. Gerade diese Schnelllebigkeit nutzt Maiko oft für sich, indem sie durch Instastories Einblicke hinter die Kulissen gibt. Das bringt eine gewisse Entlastung von der Vorstellung, jeder Post müsse perfekt sein und kommt bei den meisten auch besser an als bis ins letzte Detail inszenierte Pressefotos. Jamal weist auch noch auf die Möglichkeit von bezahlter Werbung auf Social Media hin, obwohl er selbst dazu (sowie zur Nutzung von Social Media an sich) in einem gespaltenen Verhältnis steht: Einerseits hält er die Art und Weise, wie Social Media das gesellschaftliche Zusammenleben verändert, für gefährlich, andererseits ist er aber von der Sichtbarkeit seiner Arbeit auf Social Media abhängig. Es ist ihm sichtlich ein Anliegen, diese Ambivalenz, mit der er selbst lebt, auch den Workshop-Teilnehmerinnen mitzugeben.

Eine eigene Website zu haben ist keine Notwendigkeit, eignet sich aber als Plattform, um ausführlichere Inhalte zu präsentieren. Da die meisten Aufrufe mobil erfolgen, ist eine Optimierung dabei ein Muss.
Schließlich kann ein Newsletter noch ein nützlicher Kanal sein, um die Menschen zu erreichen, die sich wirklich für die eigene Arbeit interessieren. Die vielen Gerüchte, die über die neue DSGVO in Umlauf gebracht wurden, sorgen zwar diesbezüglich für Unsicherheit, Julia Kronenberg (IG Freie Theater) informiert in ihren Beratungsgesprächen aber auch zu diesem Thema und gibt uns im Workshop gleich einmal die wichtigsten Informationen: Eine Zustimmung, Informationen zu erhalten, wird benötigt, sobald eine Aussendung an mehr als 50 Personen geht. Ansonsten es wichtig, dass es eine Möglichkeit gibt, den Newsletter abzubestellen. Einer Aufforderung, aus dem Verteiler gelöscht zu werden, muss binnen 4 Wochen nachgekommen werden. Sind derlei Formalia geklärt, stellt sich die Frage: Wie gestalte ich meinen Newsletter? Und wie oft verschicke ich ihn?

Maikos Antwort lautet: Personalisiert, nicht aufgesetzt, nicht vollgepackt, also: die Basics mit Links zum Weiterlesen für die, die mehr Information wollen. Wichtig sei außerdem, in der grafischen Gestaltung eine eigene Handschrift zu entwickeln, sodass der Newsletter auf den ersten Blick dem Sender zugeordnet werden kann. Abhängig von Größe und Art der eigenen Projekte könne man den Newsletter wöchentlich, monatlich oder auch einfach punktuell verschicken.

Mit dieser Vielzahl an Möglichkeiten zur Selbstvermarktung konfrontiert, ergibt sich für die Teilnehmerinnen eine Frage: Wie teilt man sich das alles ein, wie arbeitet man effizient?

Jamals Tipp ist, sich selbst Regeln und damit einen Rahmen zu schaffen, in dem man Halt findet. Auch Maiko macht sich in stressigen Zeiten einen Zeitplan.

Letzten Endes liegt die Antwort auf diese Frage wohl auch in den Grundsätzen, auf die sie beide während des ganzen Workshops immer wieder zurückkommen:

Lass dich von deinem eigenen Gefühl leiten, trau dich, Dinge auszuprobieren und zu experimentieren, um auf Basis dieser Erfahrungswerte deine individuell richtige Methode zu finden.

Das Projekt FEMALE BURNING ISSUES wurde vom MA57 - Frauenservice Wien unterstützt.

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