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“Frauennetzwerke der darstellenden Künste” – FEMALE BURNING ISSUES

22.10.2018

Mit Ulrike Kuner (IG Freie Theater)

Beim letzten Termin unserer Workshopserie tauschen wir uns über die problematischen Voraussetzungen für – insbesondere weibliche – Kunstschaffende sowie unsere persönlichen Erfahrungen aus. Außerdem stellt Ulrike Kuner von der IG Freie Theater den neugegründeten Dachverband European Association of Independent Performing Arts vor und weist die Teilnehmerinnen auf weitere Netzwerke, Initiativen und Veranstaltungen zum Thema hin.

Bilder: Krístina Zátrochová 

Von den rund 1 250 Mitgliedern der IG Freie Theater sind 73% Frauen. Trotzdem werden Spielpläne von Autoren dominiert, sind Intendanzen zum größten Teil in männlicher Hand und klaffen Gagen erschreckend weit auseinander. Um die Verhältnisse zu ändern, ist neben kulturpolitischer Arbeit, wie sie die IG Freie Theater leistet (aktuell z.B. die Forderung nach Mindesthonoraren samt einer Gehaltsmatrix), eines ganz wichtig: der Austausch unter den Kunstschaffenden. Und dabei darf Geld kein Tabuthema sein! Wenn von zwei Schauspielern und einer Schauspielerin mit gleichwertiger Ausbildung am gleichen Theater, im gleichen Stück und in der gleichen Funktion einer pro Vorstellung 450€ verdient, einer 350€ und sie 190€, dann müssen diese Zahlen erst einmal ausgesprochen werden, bevor sie sich anprangern lassen (deswegen stehen sie jetzt auch hier). Außerdem sollte man, aber v. a. frau, selbstbewusstes Auftreten in Gagenverhandlungen üben – dafür ist es wichtig, sich zu überlegen, wieviel man zum (Über-)Leben braucht (darum ging es auch im Workshop am 8.10.: female burning issues: into business).

Zu diesen Themen hat Ulrike Kuner gleich ein paar Hinweise und Veranstaltungstipps: Am 8.11. findet im Spektakel eine Diskussionsveranstaltung statt (kunst/kultur gender-gaps im internationalen Vergleich) und im Kosmos Theater in Wien gibt es am 17.11. ein Vernetzungstreffen (Dikussion: was kann sie*tun). In Berlin organisiert der LAFT einen jährlichen Branchentreff, bei dem über aktuelle Themen der freien Szene diskutiert wird (Branchentreff 2018) und in der nächsten gift – zeitschrift für freies theater wird im Dezember ein Beitrag zum Thema Geschlechterverhältnisse in den darstellenden Künsten erscheinen.

Die von uns eingeladene Organisation Sorority, von der letzten Endes leider doch niemand zu unserem Workshop kommen konnte, hat sich der Vernetzung und Karriereförderung von Frauen verschrieben und soll daher trotzdem kurz hier genannt sein – für weitere Infos siehe: Sorority.at. Weitere Hinweise auf Netzwerke und Plattformen, die sich zwar nicht spezifisch an Frauen richten, jedoch wichtige Räume für Austausch und Vernetzung darstellen und allen nützlich sein können, die im Bereich der darstellenden Künste arbeiten (wollen), bekommen wir von Ulrike Kuner vorgestellt:

Da wäre zunächst die European Association of Independent Performing Arts (EAIPA), die aktuell elf Organisation (wie die IGFT) aus zehn europäischen Ländern als Mitglieder zählt und eine ähnliche Agenda wie die IG (Verbesserung der Rahmenbedingungen für künstlerische Arbeit, Sichtbarkeit der Freien Szene) auf europäischer Ebene betreibt. In einer ersten von der EAIPA durchgeführten Studie ging es erst einmal darum, die frei tätigen Künstler_innen in neun der Länder sowie die Bedingungen, unter denen sie leben und arbeiten, und die Fördersituationen zu erfassen. Solche Zahlen sind wichtige Instrumente, um gegenüber Fördergebern argumentieren zu können und Rahmenbedingungen zu verbessern. Weil bereits deutlich wurde, dass die Probleme der Freien Szene in den verschiedenen Ländern dieselben sind und Projekte oft länderübergreifend arbeiten, zielt EAIPA langfristig darauf ab, Arbeitsregelungen, Maßnahmen zur Förderung der Sichtbarkeit und Sozialversicherung europaweit zu denken. EAIPA

Weitere Tipps von Ulrike sind das European Dance House Network, das Veranstaltungen zu verschiedenen Themen an Häusern in ganz Europa organisiert (ednetwork), sowie das International Network for Contemporary Performing Arts (IETM), das jährlich zwei große Mitgliederversammlungen in verschiedenen europäischen Städten abhält und regelmäßig Beiträge und Studien veröffentlicht (ietm). In Deutschland gibt es den Tanzkongress (Tanzkongress) und die Internationale Kulturbörse Freiburg (Kulturbörse Freiburg). Ulrike rät dazu, bei Teilnahme an derartigen Events beim BKA (Abteilung 10) um Reiseförderung anzusuchen. Schließlich legt sie den Teilnehmerinnen noch die Plattform aerowaves (aerowaves) ans Herz, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, im Rahmen von Open Calls die vielversprechendsten aufstrebenden Tanzschaffenden in Europa aufzuspüren. Die aus eingeschicktem Videomaterial ausgewählten Künstler_innen dürfen dann in einem Live-Format auftreten, das von vielen Veranstalter_innen besucht wird, wodurch sich für viele schon weitere Möglichkeiten ergeben haben.

Mit diesen Tipps und Ratschlägen beenden wir die FEMALE BURNING ISSUES, nicht jedoch den Kampf für bessere und für alle gleiche Rahmenbedingungen im Bereich der darstellenden Künste. In den Workshops ist uns bewusst geworden, dass Genderthemen und -problematiken in der kulturpolitischen Arbeit oft nur implizit enthalten sind. Die Forderung nach Gleichberechtigung von Künstlerinnen und Künstlern wollen wir deswegen zukünftig öfter explizit adressieren und auf dieses Thema auch im Serviceangebot einen stärkeren Fokus setzen.

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